Blogs

Ich habe das folgende Post in einem wirklich anerkennenswerten Forum gepostet, da es allzu wichtig erscheint, haue ich es mal auf meine Blogs. Ich persönlich halte von diesen Vermarktungsschienen überhaupt nichts, also Blogs a la Diary eines Callgirls etc. pp. und finde auch den Verstoss gegen Grundsätze der Diskretion, die damit einhergehen, nicht sonderlich sinnvoll. Da ich mich gerade selber in einer Übergangsphase zu neuen Ufern bewege, auch nicht von Sexwork lassen will und kann, sehe ich nicht in der Veröffentlichung von Indiskretionen und sog. Abrechnungen einen sinnvollen Beitrag – es wirkt sich doch nur nachteilig auf die Szene aus, diese ganze Skandalisierungsschiene und auch durch die Berichterstattung idealisierte Einstiegshilfe in Pretty Woman Manier- , sondern nur in aktivem künstlerischen und/oder politischen Engagement von Sexworkern bzgl. des Umgangs mit Stigmata und Ausgrenzung, mit dem Ziel, Sexwork anzuerkennen, wo sie stattfindet, nicht am Rand, sondern mitten in der Gesellschaft. Ich versuche es auf die humorvolle Tour, weil ich der Überzeugung mit, daß man mit Komik Irritationen erzeugt und Stereotype aushebeln kann, natürlich immer kombiniert mit einer politisch aufgeklärten libertären Haltung. Interessanterweise wird einem das in manchen engagierten Foren nicht gerade gedankt – im Gegenteil, man wirft mich mit radikalen Feministinnen in einen Topf, gerne wird auch Hexenjagd betrieben, das ist schon interessant, auch wenn weibliche Stimmen dazu schweigen; insbesondere da ich der Auffassung bin, daß Feminismus und Sexwork sich überhaupt nicht ausschliessen und man nicht vergessen darf, wem man gewisse Fortschritte in den Rahmenbedingungen des Sexworkens überhaupt zu verdanken hat; z.B. denke ich an das deutsche Prostitutionsgesetz, wirksam seit 2002, das in der Umsetzung auf regionaler Ebene zwar teilweise verpufft, aber immerhin für eine gewisse Anerkennung der Sexworker gesorgt hat, angestossen ja durch Felicitas Schirow, einer Berliner Bordellbesitzerin. Also persönliches Engagement und Sexwork schliesst sich nicht aus. Die Verbesserung gewisser rechtlicher Rahmenbedingungen, insbesondere in Berlin (trotz einiger Puffschliessungen), daran profitieren letztlich alle Sexworkerinnen und es ist nicht einzusehen, daß manche Damen aus dem hochpreisigen Segment auf Frauen, die auf der Strasse, in Laufhäusern etc. arbeiten, herabschauen, wie ich es häufig beobachte. Das aber ist eher die Regel, denn die Ausnahme. D.h. die Brandmarkung geht nicht nur von interessierten politischen und (klein-) bürgerlichen Kreisen aus (die wir hautnah bedienen), sondern durch die aktive Spaltung, die insbesondere deutsche Sexworker untereinander betreiben und „Seelenfickern“ noch in den Arsch kriechen, anstatt gewisse Regeln, die mal von Huren durchgesetzt wurden und die dem Schutz der Psyche dienten, ebenfalls anzuwenden oder zumindest zu unterstützen. In anderen Ländern gibt es diese heimliche Klassen-Einteilung nämlich garnicht so sehr, sondern ein solidarischeres Verständnis unter den aktiven Frauen, ob Puff oder 5-Sterne-Hotel. Diese lächerlichen Callgirl Blogs mit gefälligen Stories langweilen mich nicht nur, sondern sind m.E. dem progressiven Umgang mit Sexwork nicht zuträglich. Jenseits von Opferschiene und Idealisierung einer nicht so eindeutig als Tätigkeit definierbaren „Dienstleistung“ muss es doch differenziertere Ausdrucksformen geben, im Sinne eines liberal-aufklärerischen Verständnisses. Immerhin wissen die meisten Männer etwas damit anzufangen.


One Comment on “Blogs”

  1. Wolfgang sagt:

    Genaz das, was Du von der Spaltung geschrieben hast, habe ich auch beobachtet. Danke für Deine klare Worte.


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