Ein Vertriebsingenieur auf Abwegen I

Mein Flug aus Frankfurt hatte zwei Stunden Verspätung, wie mein Blick auf die IWC vermuten liess. Ich schaute mich am Ankunftsterminal suchend um, doch keine grossgewachsene Blondine weit und breit. So ein Mist, wieso hatte ich auch mein Handy in Hongkong vergessen?! In letzter Zeit werde ich immer vergesslicher. Mein Arzt hatte mich gewarnt, ich solle mal eine Pause mit den blauen Pillen einlegen, die Nebenwirkungen seien extrem schädlich. Wahrscheinlich liegt es daran. Gut aber aufs Saufen kann ich nicht verzichten, hab meinen Flachmann aus feinstem Sterlingsilber immer dabei, besonders um mich während des Fluges ruhig zu halten. Immer diese Flugangst. Auch muss ich mir die Stadt schön saufen, die ich gerade angeflogen habe. Ich bekomme jedes Mal das Kotzen, wenn ich Berlin bereise. Soviele schlecht gekleidete Frauen und Proleten mit Dosenbier habe ich in so hochkonzentrierter Weise in keiner mir bekannten europäischen Stadt zur Kenntnis nehmen dürfen. Auch die Taxifahrer sind furchtbar. Aus diesem Grund also und wenn mich ein Geschäftstermin in die Arm-aber-Sexy-Metropole treibt, lasse ich mich immer von Ariane begleiten. Sie ist schön, klug, niemals langweilig und zumeist gut aufgelegt, kein Wunder, ich lasse mir die Begegnungen ja auch was kosten. Sie holt mich immer in ihrem Coupé ab und kutschiert mich zu meinen Terminen, zwischendurch halten wir in irgendwelchen Parkbuchten, damit sie mir schön einen blasen kann. Wo ist dieses verdammte Miststück bloss?! …
Eine generelle Nervosität kann ich nie abstellen, wenn ich ihr begegne. Sie wirkt wie eine Außerirdische, die auf dem falschen Planeten gelandet ist. Oder wie Marvin der Roboter. Während ich nervös an meiner Krawatte herumnestel betrachte ich mein Spiegelbild in der Glastür neben mir; irgend etwas fremdes, ein fahles Gesicht schaut mich da an. Obwohl ich es mir regelmässig bei meiner Kosmetikerin, die gleichzeitig meine Stammfriseuse ist gutgehen lasse. Selbst Botox hab ich mir in die Arschbacken spritzen lassen. Vielleicht liegt es auch an dem trüben grauen Himmel hinter dem Glas, der alles verwelken lässt. Heute morgen war ich noch so stolz auf mich und fühlte mich wie der junge Frühling, hatte noch ein paar Leerkäufe im Transit getätigt und dem Goldpreis beim Wachsen zugeschaut. Ach sollen doch alle abschmieren, ich hab meine Schäfchen im Trockenen und kann mir noch die interessantesten Frauen leisten.
Aus meinem Gedankengang aufgeschreckt höre ich das Klackern von Absätzen. Eine schlanke Blondine kommt schnell auf mich zu, ein kerzengerader Gang, meeeiiine Ariane. Mit vorwurfsvollem Blick schaut sie mich an und mustert mich, setzt ihr spitzbübisches Lächeln auf. Sie sieht einfach umwerfend in ihrem Azzedine Alaia Mantel aus, den ich ihr bei meinem letzten Besuch vor Weihnachten gekauft habe. Eine schöne Frau sollte immer in feinen Stoffen gewandet sein und nicht wie eine Strickliesel angezogen, wie die meisten anderen Frauen ihres Alters. Ihr Goldzahn funkelt mich an und sie lacht laut auf, wahrscheinlich weil ich sie wie ein alter Lustgreis taxiere. „Ich freue mich, dich zu sehen, ich hatte mir schon Sorgen gemacht, auch konnte ich dich nicht erreichen. Dein Handy war wohl ausgeschaltet?“ Sie lacht. Gott sei Dank ist sie mir nicht gram, daß sie solange warten mußte. „Ja Süße, ich bin erledigt, hab noch zwei Termine und bin dann ganz für dich da. Hab während des Fluges 2 Liter Kaffee getrunken, der Jet Lag haut mich jedesmal um. War doch in Hongkong und über Frankfurt nach Berlin.“

Berlin sieht immer so trüb wie eine schlechtgelaunte Nutte aus, die nix verdient hat, denke ich. Längst haben wir das Gepäck im Kofferraum ihres schneeweissen 280er SL verstaut. „Kätzken, wo mußt du hin?“ fragt sie, als wir die Autobahn erreichen. „Ich muss noch zum Savignyplatz ein paar Unterlagen bei einem Kollegen abholen, anschließend mein Gepäck im Savoy abstellen.“ „Oh schön, das Savoy, dann können wir uns ja heute abend aus der Paris-Bar ein paar Kleinigkeiten rüberbringen lassen?! Du hast doch sicher keine Lust, unter Menschen zu gehen, wie ich dich kenne.“ Recht hat sie, sie kennt mich schon ganz gut. Normalerweise hält es keine Frau lang an meiner Seite aus. Ich bin ein kauziger Knurrhahn, war ich immer schon, Menschen langweilen mich zumeist, Mittelmass langweilt mich.“ „Hast du schon den Fickbericht über mich gelesen, den ein Archie heute morgen über mich bei MC reingestellt hat?“ „Ja klar, ich hab ihn noch in der Lounge in Frankfurt gelesen, um mir die Zeit zu vertreiben. Sag mal, ist der noch ganz dicht? Der macht mir ja Konkurrenz mit seiner Lobeshymne, obwohl – ich schreibe ja nie. Und wie kann man nur Archie heissen – oder sich so nennen?! Hast du ihn so genannt?“ Ariane lacht „Ja, Archie hier, Archie dort, mein allerliebster Archie. Wieso? Bist du etwa eifersüchtig? Ich mag den Namen und den Kerl. Er hechelt immer so schön beim Ficken und kratzt die Rauhfaser von der Wand, wenn er mich doggy nimmt.“ Sie und ihr Humor …“Nein“ entrüste ich mich, ich bin kein Kasper und hab auch nicht vor es zu werden, aber der Bericht von Archie hörte sich fast so an. Was ist das für ein Typ? Sein Beitrag klang extrem schräg, also wie er schreibt, das fand ich schon aussergewöhnlich. „Er heisst eigentlich Archibald, aber alle nennen ihn Archie, also sein Nick ist sogar echt. Kann ich auch verstehen, Archie klingt einfach besser als Archibald, er ist sehr witzig und bringt mich meist zum Lachen. Insofern passt der Name schon. Ich finde das aber etwas indiskret, wenn ich dir jetzt alles erzähle, schliesslich würde das gegen das sogenannte Date-Geheimnis verstossen.“ „Ach du Spinnerin …“ flachse ich, „du mit deinem Date-Geheimnis, komm rück’s raus, bin einfach neugierig. Keine fickt so gut wie du und keine kann so tolle Fickgeschichten erzählen.“ „Moment …“ sagt sie und gibt Gas, wir sind schon gleich am Ziel, mein Magen knurrt, ich muss erst noch was essen, bevor ich mir den Schwanz lutschen lasse, dann bin ich entspannter. „Wartest du bitte einen Moment? Es dauert nur 5 Minuten, ich springe kurz hoch, hole die Verträge … “ …. ich zögere „lass uns direkt was essen gehen, hast du Hunger?“

to be continued …


One Comment on “Ein Vertriebsingenieur auf Abwegen I”

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