2021: Auf zu neuen Ufern

Ich habe mich nun zum Ende des Jahres im Alter von 52 Jahren aus dem politischen Aktivismus verabschiedet. Sowohl bei Tampep und BESD bin ich nun ausgestiegen, da ich einfach nicht sozial kompatibel, ungeduldig und unzufrieden mit meinem Umfeld bin und ich auch nicht glaube, dass sich das jemals ändert.

Ein politischer Aktivismus mit Zukunft stellt die Mehrheit der Migrant:innen in der Sexarbeit in den Mittelpunkt und muß natürlich auf die ganzen unangenehmen Themen wie Zwangsprostitution und (sexuelle) Ausbeutung souverän reagieren können. Mensch, wir leben im 21. Jahrhundert und operieren noch mit Handlungs- und Geschäftsmodellen des 19. Jahrhunderts. Erst kürzlich hab ich im Kaufmich Magazin eine vier-teilige Reihe über die Sexarbeit der Zukunft geschrieben, die ich auch hier im Blog verlinkt habe.

  1. Teil Diskretion vs Sicherheit
  2. Teil Sind Bordelle noch zeitgemäß?
  3. Teil Ist der Strassenstrich ein Modell mit Zukunft?
  4. Teil Lobbypolitik
Alte Heimat: Berlin Kreuzberg 2006

Es reicht wirklich nicht, sich auf das Thema Sexkaufverbot zu fokussieren, insbesondere wenn man ein Narrativ wählt, dass die meisten Sexworker ausschließt. Dies ist nicht sonderlich anziehend, nicht inklusive gedacht und umgesetzt. Es gibt m.E. in den abgehobenen Raumschiffen wie Tampep und BesD wenig Kontakt zur Basis.

Ich kenne mich mit den Themen Migration und Menschenhandel deshalb gut aus, weil ich seit 15 Jahren aktiv auf Sexworker zugehe, Vertrauen aufgebaut habe, eine Reputation als Ansprechpartnerin. Diesen guten Ruf lasse ich mir von niemanden kaputt machen. Mehr gibts dazu nicht mehr zu sagen, ausser das ich nicht auf die Rolle der (Ex-) Nutte festgelegt sein möchte, sondern als Politikwisschaftlerin und Ökonomin, deren Nachdenken im Puff ja nicht aufgehört hat.

Vor vielen Jahren habe ich mal einige Texte geschrieben, die mit einer Prise Humor versehen sind. Dazu auch meine vierteilige Interview-Reihe von 2010. Mein Leben als Politikerin konnte man schon damals hier im Blog nachlesen, auch das Absurde, dass sich politisch auftut.

Ich liebe die Übertreibung, um bestimmte Probleme überhaupt thematisieren zu können. Um gehört zu werden. Allerdings bleibe ich – was Zahlen und Statistik betrifft – immer wahrheitsgetreu und zitiere nur seriöse Quellen sowie meine eigenen Umfragen.

Mein Abschied vom Aktivismus tut nicht weh. Es ist wie eine verkorkste Ehe. Der Stallgeruch, den ich zum leben brauche fehlt mir einfach. Ich wurde in der internationalen Hurenbewegung politisiert, denke seit meiner Kindheit international und inklusiv.

Junge Aktivist:innen sollten daran denken, dass sie nicht das Rad neu erfinden müssen und sich auch mal Rat bei den Alten holen können. Ich stehe dazu jederzeit zur Verfügung und werde auch weiterhin berufsbedingt die Szene begleiten.

Diesen Blog werde ich auch weiter schreiben. Aber dann eben weniger über Prostitutionspolitik und Aktivismus, sondern über andere Themen. Ich hab immer gerne im Dreck gespielt. Dies hat sich im Laufe meines Lebens nicht geändert. In diesem Sinne bleibt mir gewogen.


Badass Fundraiser Nov 17-19

Dear Comrades!

An international online campaign will take place from November 17th to 19th to collect donations for the Corona Emergency Aid Funds for sex workers all over the world. Please share the campaign on Twitter, Instagram or Facebook.

In Germany and around the world, sex worker groups and organizations have built up Corona emergency funds over the past 7 months in order to secure support and help for the weakest members of the community, which ensures an existential survival. The pots are empty in times of the Second Wave, so action must be taken now!

The campaign by sex workers and their friends and allies starts to draw attention to the desolate human rights situation of sex workers and to recognize the devastating effects of Corona on marginalized communities.

The campaign will start on November 17-19 on Twitter, Instagram and Facebook with the hashtags #nobodyleftoutside # covid19 #swrights #together

I provide content you may share in German & English, but you can also add other political demands and languages of your choice. Please always add the hashtag #nobodyleftoutside, images below and the following link of all sw emergency funds worldwide:

LINK to

All Covid19 sexworker emergency funds

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You can also follow these accounts and share:

Twitter: @SexworkID & @TampepEU @hauptstadtdiva

Instagram: tampep_europe, diskretekunst or berufsverbandsexarbeit

Facebook: Besd – Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (German), Tampep Network (English)

If you have any questions, please email me: international@besd-ev.de

Check out the content in English & German below!

Solidarity, Susi

BESD Board – international speaker


17. Dezember

Ein Tag, den keiner kennt

Wir beobachten und registrieren gewalttätige bis mörderische Übergriffe auf Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene, die uns per Newsticker allwöchentlich, manchmal alltäglich erreichen. Bei internationalen Veranstaltungen engagierter SexarbeiterInnen wird regelmässig all jener Frauen, Männer, Trans*Frauen in allen Sparten des Gewerbes gedacht – ob Escort, Callgirls, Strassenstrich, in Bordell oder Parlour arbeitende Frauen, ob Callboys, Trans*Frauen -, die bei Ausübung ihres Jobs gewalttätigen und/oder diskriminierend verbalen Übergriffen ausgesetzt sind, bis hin zu physischen Übergriffen mit Todesfolge, Mord. Alljährlicher Gedenktag der International Sexwork Rights Movement ist der 17. Dezember.

Die Risiken der gesellschaftlichen Konsumption sexueller Dienstleistungen tragen üblicherweise die Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen allein; trotz der durch das deutsche Prostitutionsgesetz anerkanntermassen legalisierten Dienstleistung ist die Arbeitswelt und das soziale Umfeld praktisch auch weiterhin von penetranter Diskriminierung, Stigmatisierung und Kriminalisierung durchdrungen.

Die grundlegenden Menschenrechte, u.a. die körperliche Unversehrtheit, werden durch gewalttätige Übergriffe und alltägliche Diskriminierung und Stigmatisierung regelmässig und massiv verletzt; aufgrund ihrer Mehrfachidentitäten als Sexarbeiterin und ggf. Migrantin, haben es Trans*Frauen noch schwerer als andere Sexarbeiterinnen und werden regelmässig Opfer transphober Gewalt, wie es zuletzt im Messerangriff in der Nacht vom 5. auf den 6. August 2009 an der Ecke Froben- und Bülowstraße gipfelte. Sowohl vor als auch nach diesem Mordanschlag haben Gruppen junger Männer aus der Nachbarschaft Frauen und Trans*Frauen beleidigt, mit Eisenstangen, Baseballschlägern, Flaschen und anderen Gegenständen bedroht und seitdem weitere Menschen leicht, zum Teil aber auch sehr schwer verletzt.Die Menschenrechte von SexarbeiterInnen sind Bestandteil der universellen Menschenrechte; individuelle Freiheit bedeutet im Zusammenhang mit dem sexuellen Selbstbestimmungsrecht, dass Individuen frei über die Bedingungen einer sexuellen Begegnung entscheiden können, solange die Grenzen und die Interessen Dritter nicht beeinträchtigt werden. Die Prostitution fällt in Deutschland wie jede andere auf Dauer angelegte Tätigkeit zur Schaffung und Erhaltung einer Lebensgrundlage unter die Art. 12 Abs. 1 des Grundgesetzes“

Das Problem sehe ich eher darin, dass auf Grund des hart umkämpften Marktes und der bisweilen in diesem Metier herrschenden „rauhen Sitten“ immer noch viele „halbseidene“ Agenturen – oder auch etwas unvorsichtige Independents – auf die Erhebung und Überprüfung der Stammdaten eines Klienten verzichten, da sie sich hieraus einen Wettbewerbsvorteil versprechen. Das legitime Interesse der Escorts an bestmöglichen Schutzvorkehrungen wird bewusst der Profitmaximierung untergeordnet. Dieser „Raubtierkapitalismus“ zu Lasten der vermittelten Damen ist nicht zuletzt deshalb möglich, weil die mit dem Prostitutionsgesetz beabsichtigte Emanzipation des Gewerbes vom Schmuddel-Image der „klassischen“ Rotlichtszene und der Halblegalität leider nur bedingt gelungen ist und z.B. nur wenig Sexarbeiterinnen gewerkschaftlich organisiert sind (obwohl Ver.di eigens eine Sektion Sexarbeit – „besondere Dienstleistungen/Arbeitsplatz Prostitution“ – eingerichtet hat). 

Nicht nur wegen vermeintlicher finanzieller Nachteile, auch wegen des weiterhin geringen gesellschaftlichen Ansehens bevorzugen die meisten in der Sexarbeit tätigen Frauen immer noch die Anonymität, was wiederum den Profitinteressen verantwortungsloser Agenturen in die gierigen Hände spielt.

Letztlich sind diese unschönen Begleiterscheinungen natürlich eine Folge der völlig antiquierten gesellschaftlichen Diskreditierung und Tabuisierung kommerzieller Erotik, wodurch das Entstehen kriminell anfälliger Grauzonen zumindest begünstigt, wenn nicht sogar überhaupt erst ermöglicht wird. Dieser Zusammenhang ist mittlerweile ein soziologischer Allgemeinplatz, weshalb es eigentlich unverständlich anmutet, warum bisher nur in den Niederlanden (und in Ansätzen auch mit dem. sog. Prostitutionsgesetz der vormaligen rot-grünen Bundesregierung) die längst überfällige Legalisierung und soziale und rechtliche Absicherung von SexarbeiterInnen in die gesellschaftliche Wirklichkeit umgesetzt wurde. Man darf aber eben nicht verkennen, dass es auch erhebliche Widerstände gegen eine Liberalisierung gibt und es nicht (mehr) vorrangig politisch konservative oder kirchliche Kreise sind, die diesen Widerstand forcieren, sondern dem gesellschaftlichen Fortschritt derzeit die größte Gefahr durch eine merkwürdige Zweckallianz aus calvinistisch-pietistisch geprägten Puristen und radikal-feministischen Lobbies droht, wie die Fehlentwicklung in Schweden zeigt. Vordergründig geht es dabei um das zweifellos hehre und unstrittige Ziel der Bekämpfung von Zwangsprostitutiion und Menschenhandel, aber treibendes Motiv der ProstitutionsgegnerInnen ist letztlich eine aus einer verfehlten Rezeption und Tradierung der europäischen Romantik resultierende Überzeugung, wonach jede Sexualität, die weder der Fortpflanzung dient noch die physische Manifestation einer singulären seelischen Bindung (= Sex als Ergebnis von romantischer Liebe) darstellt, verwerflich und „schmutzig“ sei. Wie man am Fallbeispiel Schweden idealtypisch nachvollziehen kann, wird daraus die Überzeugung abgeleitet, dass jede Form des Tauschhandels Sex gegen Geld eine Entwürdigung der diese Dienstleistung anbietenden Frau darstelle und daher verboten werden müsse. Dass Frauen diese Tätigkeit größtenteils freiwillig ausüben, sich teilweise bewusst hierfür entschieden und andere Alternativen der Erwerbsgrundlage verworfen haben, wird in der schwedischen Studie, die zur gesetzlichen Freierkriminalierung geführt hat, ebenso geleugnet wie die Existenz schwuler Prostitution schlichtweg negiert wird (weil nicht in das Schema „Mann unterdrückt Frau“ passend). Natürlich gab es auch in Schweden anfangs massive Kritik, aber den Lobbyisten gelang es, diese beharrlich zum Schweigen zu bringen, indem den widersprechenden Frauen Verrat an ihren Geschlechtsgenossinen und den Männern primitivster Sexismus unterstellt wurde, was nach einiger Zeit die meisten Kritiker „weich kochte“ und resignierend verstummen ließt. Tja, SO wird halt erfolgreiche Politik gemacht ;

es ist „moralisches Fundament“ dieser insoweit reaktionären Kräfte, dass körperliche Lust, Sexualität, Extase dem „heiligen Bund“ der Ehe vorbehalten bleiben sollten, mindestens aber Sexualität, Liebe, Treue und Partnerschaft ein untrennbares Amalgam bilden müssten. 

Wir Sexarbeiter sind nicht das Problem. Wir sind Teil der Lösung. Dazu verlangen wir sichere, anerkannte und faire Arbeits- und Lebensbedingungen und öffentliche Anerkennung und Unterstützung zum Aufbau einer eigenen gewerkschaftlichen Standesvertretung.

Ein Tag, den keiner kennt 

Man liest von den Tätern in der Zeitung und es klingt wie ein Kriminalroman … Gewalt gegen SexarbeiterInnen ist eine – mitunter tödliche – Realität und auch die Opfer haben Namen! 

Über Prostitution zu sprechen ist schwierig. Man tuschelt augenzwinkernd über das „älteste Gewerbe der Welt“, sorgt sich stirnrunzelnd über Zwangsprostitution – Sexarbeit als Dienstleistung selbständig arbeitender Frauen zu sehen, passt nicht ins Bild. 

Am Freitag jährt sich zum siebten Mal der von Dr. Annie Sprinkle in den USA ausgerufene Gedenktag, der den Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen in aller Welt gedenkt, die in 

Ausübung ihres Jobs Gewalt erfahren, auch zu Tode kommen. Zur konkreten Kundengewalt gesellt sich die strukturelle Gewalt durch staatliche Behörden, Polizeigewalt, aber auch das Stigma, das viele in die soziale Isolation treibt. Der Gedenktag ist zugleich mit der Aufforderung verbunden, diese Gewalt zu stoppen. 

Ständige Kontrollen, Arbeitsverbote, Abschiebungen, Missachtungen des Datenschutzes, Verletzungen der Privatsphäre, beleidigende und herabwürdigende Behandlungen sind 

Ausdruck dieser gefährlichen Haltung, die den Schutz der Rechte von SexarbeiterInnen vernachlässigt. Es gibt in einigen Städten Europas regelrechte Gewaltausbrüche. Die brutalen Angriffe auf Sexarbeiterinnen, alleine in Österreich

haben sie in den vergangenen Monaten in erschreckender Weise zugenommen, verdeutlichen die dramatischen Konsequenzen der gesellschaftlichen Abwertung und rechtlichen Diskriminierung. SexarbeiterInnen werden Pflichten aufgebürdet, ihre Rechte werden aber ignoriert und durch die gesetzliche Regelung und ihre Umsetzung verletzt. 

Die allgegenwärtige Doppelmoral im Umgang mit Sexarbeitern, deren Dienste gerne in Anspruch genommen werden, ist Ausdruck einergesellschaftlichen und politischen 

Diskriminierung von SexarbeiterInnen, die zu lebensgefährdenden Lebens- und Arbeitsbedingungen führt. Die Hauptverantwortung für diese Situation liegt bei politischen 

EntscheidungsträgerInnen, die SexarbeiterInnen aus den Diskussionen um ihre grundlegenden Rechte ausschließen und die bestehenden Menschenrechtsverletzungen ignorieren. 

Selbst in Deutschland, wo das 2002 in Kraft gesetzte Prostitutionsgesetz eine gewisse Rechtssicherheit schaffen sollte und für die Prostitutionsbewegung ein Meilenstein ist, wird dieses Bundesgesetz auf lokaler Ebene meist unterlaufen. Mit erschreckenden Konsequenzen für die Sexarbeiterinnen. So haben Verantwortliche des Hilfe & Support-Internetforums für professionelle Sexarbeit www.sexworker.at diesjährig eine Stellungnahme (Schattenbericht) bei den Vereinten Nationen eingebracht, die Missstände in Deutschland aufzeigt. Ein weiterer Schattenbericht zur Lage in Österreich ist dem vorausgegangen. In diesem Schattenbericht, der mit zahlreichen Fällen dokumentiert ist, wird kritisiert, dass Sexarbeiter zwar Steuern und Sozialabgaben leisten müssen, dass sie aber durch Stigmatisierung und faktische Kriminalisierung nicht nur im Genuss ihrer Menschenrechte benachteiligt werden. 

Durch Sperrbezirksverordnungen, wie in München, wurde Sexarbeit auf Industriegebiete verbannt, wo Sexarbeiter kriminellen Angriffen ungeschützt ausgesetzt sind. Sexarbeiter 

werden bestraft, wenn sie z.B. in ihren Wohnungen oder den Wohnungen ihrer Kunden tätig sind, obwohl dort die Arbeitsbedingungen sicherer wären. Um die 

Sperrgebietsverordnungen durchzusetzen, missbrauchen die Polizeibehörden der Länder die Befugnisse zur Bekämpfung des Menschenhandels. Gegen Sexarbeiter werden 

systematisch verdeckte Ermittlungen eingesetzt. Die Begleitumstände dieser Ermittlungen sind vielfach erniedrigend, insbesondere durch erzwungene Nacktheit von Frauen vor 

männlichen Polizeibeamten. Es gibt weder ex post wirksame Beschwerdemöglichkeiten für die Frauen, auch nicht gegen ungerechtfertigte Hausdurchsuchungen, noch ex ante 

irgendwelche Vorkehrungen, um sie vor Traumatisierung durch solche Polizeimaßnahmen oder sexuelle Übergriffe durch Polizeibeamte zu schützen. 

Ausländische Sexarbeiter leiden zusätzlich unter rassistischen Vorurteilen bei den Polizeibehörden. Bei einer Aktion im Jahr 2009 gegen Sexarbeiter, vorwiegend aus Rumänien, und ihre Kunden in Fellbach, Heidelberg, Schönefeld und Wuppertal wurden 440 Frauen und Männer durch erzwungene Nacktheit erniedrigt und somit in ihrer Menschenwürde verletzt. In Köln richten sich Schleierfahndungen regelmäßig und gezielt gegen Sexarbeiter aus Afrika. Statt Menschenhandel aufzuklären, können solche Maßnahmen die Opfer von 

Menschenhandel in Furcht vor Kriminalisierung versetzen und sie davon abhalten, sich an die Polizei zu wenden. Diese Politik der Länder führt nachweisbar zu Gesundheitsfolgen für Sexarbeiter. Insbesondere ausländische Sexarbeiter wagen aus Angst vor den Behörden nicht einmal, die öffentlichen Gesundheitsdienste in Anspruch zu nehmen: Die Politik der Länder stellt eine faktische Zugangshürde dar, die zu einem schlechteren Gesundheitszustand führt. 

Diese Politik der Länder verstärkt die Stigmatisierung der Sexarbeit. In bezug auf die Rechte aus dem Pakt ergeben sich dadurch Benachteiligungen für Sexarbeiter: Banken können Sexarbeitern die Kontoführung verweigern und so ihren Ausschluss aus dem sozialen Leben einleiten. Rechtliche Sonderregelungen, wie das „Düsseldorfer Verfahren“, unterstellen Sexarbeitern die Absicht zu Straftaten und Steuerhinterziehung. Sexarbeiter haben auch nur einen eingeschränkten Zugang zum Recht: Opfer von sexueller Ausbeutung, wie eine als Kind im Bordell missbrauchte Frau aus Dresden, oder Polizeibeamte, die Opfern helfen – wie in Würzburg, riskieren Bestrafung, wenn sie gegen die Peiniger vor Gericht aussagen, 

weil vor Gerichten Sexarbeiter von vorne herein als unglaubwürdig gelten. 

Das Sexworker-Forum ist auch besorgt über Vorhaben der Länder, Sexarbeiter zu registrieren und eine Untersuchungspflicht einzuführen, weil solche Maßnahmen internationalen Richtlinien widersprechen und die Menschenwürde der Sexarbeiter beeinträchtigen können. 

Daraus folgen konkrete Fragen und Handlungsaufforderungen: 

Das Sexworker-Forum schlägt vor, dass der Ausschuss den Umgang der deutschen Regierung mit Sexarbeit hinterfragen möge: Welche Maßnahmen plant die Regierung, um die sozialen Rechte und Arbeitsbedingungen der Sexarbeiter zu verbessern und sie besser vor kriminellen Übergriffen zu schützen? Wie wird die Regierung die Achtung der Rechte von Sexarbeitern im Umgang mit Behörden fördern und insbesondere den behördlichen Missbrauch von Maßnahmen gegen Menschenhandel eindämmen? Hierzu wäre es sinnvoll, Experten und Expertinnen, also Sexarbeiter, in die Diskussion einzubinden, um Problemlösungen zu entwickeln. 

Nur Rechte schützen SexarbeiterInnen vor Gewalt! 

Hintergrundinformation: 

“International Day to End Violence Against Sex Workers”: 

Der 17. Dezember wurde ursprünglich als Gedenktag für die Opfer des „Green River“-Mörders begangen, der in den 1980er und 1990er Jahren in den USA über 90 Frauen 

ermordete. Die meisten der Opfer waren Sexarbeiterinnen und es dauerte 20 Jahre, bis der Mörder verurteilt wurde. Seit 2003 wird der 17. Dezember mit Demonstrationen, 

Gedenkveranstaltungen und Mahnwachen weltweit als Aktionstag begangen, um auf die Gewaltverbrechen aufmerksam zu machen, die gegenüber SexarbeiterInnen begangen 

werden und durch die Stigmatisierung und Kriminalisierung von SexarbeiterInnen verstärkt werden. 

Weitere Infos unter: http://www.swopusa.org/dec17/

Vergeblich an die Presse geschickt, keine Veröffentlichung in der FAZ, SZ, TAZ, Frankfurter Rundschau. Nach den teils absurden Kritiken zum Theaterstück „Lulu – die Nuttenrepublik“, dass ich mit initiiert und dargestellt habe, habe ich diesen Text erst garnicht an andere Medien versandt.

mfg Ariane

Die Verfasserin Ariane G. ist Escort und tritt unter dem Namen Goldschwanz in Volker Löschs aktueller Inszenierung „Lulu – die Nuttenrepublik“ an der Berliner Schaubühne auf. Sie ist unabhängige politische Aktivistin in der International Sexwork Rights Movement und Moderatorin im Team des Internet-Support-Forums www.sexworker.at

Obiger Beitrag enthält u.a. Anteile aus der Pressemitteilung zum Gedenktag und dem Schattenbericht BRD des Sexworker.at Forums, die schlüssige Auffassung eines engagierten Kunden sowie meine Handschrift.

Danke

Erstveröffentlichung MC Escort by Ariane 2010


Auf Sicht fahren

Diese Corona Krise lehrt mich einiges: Self Care – also, dass ich achtsam mit mir selbst umgehe und mich auch mal verwöhne. So bin ich zum Pflanzen Liebhaber geworden. Und hab mir auch mal etwas Luxus gegönnt. Neue Möbel. Das ist völlig ungewohnt, da ich immer gearbeitet habe, der protestantischen Ethik verpflichtet und sparsam bin. So wurde ich zum Arbeitstier erzogen. Das jetzige Privileg ist, überhaupt noch einen Job zu haben, nicht arbeitslos oder in Kurzarbeit zu sein, und ehrenamtliche Aufgaben meistern zu müssen. Auch in der politischen Arbeit. Ehrenamtlichkeit wird leider kaum gesellschaftlich gewürdigt. Auch Caspar von Transsexworks und der BesD – Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. leisten unglaubliches. Zum Glück habe ich viele Freiheiten in meinem Job und im Home Office arbeite ich seit 10 Jahren bzw. davor auch schon die meiste Zeit. hehe Ich bin wirklich froh, einen tollen Arbeitgeber zu haben und jetzt selten das Haus verlassen zu müssen. So bin ich und Heinz auf der sicheren Seite, da wir zur Risikogruppe gehören. 24h zusammen leben und arbeiten, und das während der Krise mit allen Herausforderungen, in einer winzigen Wohnung, haha das ist schon eine unglaubliche Leistung. Ich vermisse natürlich meine internationalen Reisen und das Ausgehen, ins KUMPELNEST 3000 und Bülow Eck mit Freunden.


Im Gespräch mit Emma Becker – La Maison – ein Bestseller Roman aus einem Berliner Bordell

bitte hier weiter lesen, danke: https://www.kaufmich.com/magazin/bestseller-autorin-emma-becker-eine-frau-geht-nicht-in-den-puff-um-sich-zu-verlieben/

Kaufmich Susi aka …


Mein Wort zum Donnerstag

Das ist doch eine scheiss Woche oder? Nailbite election in US, Terror in Frankreich und Wien und wir müssen zu Hause hocken, bei einem Glas lauwarmen Bier.

Jedes Mal, wenn es einen terroristischen Anschlag gibt, bin ich traurig. Weil ich Trauer. Vielleicht geht mir das so nah, weil ich damals in London 2005 dabei war, als die Bomben hochgingen. Wahrscheinlich hab ich in diesem Blog mal darüber geschrieben.

Ich empfinde es als eklatantes Staatsversagen, wenn die Dienste nicht ihre Arbeit sorgfältig machen (können). Terrorismus, Zwangsprostitution, das ist wie mit der Nadel im Heuhaufen und dafür braucht man KI, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und vor allem intelligenten Nachwuchs.

Ich finde, der Anschlag in Berlin und Wien haben einiges gemeinsam. Auch, das auf Hinweise nicht gehört wurde. Was ist das? Für den Laien erschiesst sich das nicht. Ausserdem kenne ich die Grenzen der Strafverfolgung, KI ist wie China, im Fortschritt voraus, aber nicht in Europa angekommen. Mehr sag ich dazu nicht.


Bescheid

Deutsch: bitte runter scrollen

Note: I can use the hashtag #nobodyleftoutside for my upcoming global social media campaign. I also send an message with all the information soon. Will take place in 2-3 weeks, the campaign will last over 3 days. One of the goals is to flush money into the emergency funds. In Germany and elsewhere. Please take part!

Hinweis: Ich kann den Hashtag #nobodyleftoutside für meine bevorstehende globale Social-Media-Kampagne verwenden. Ich sende auch noch eine Nachricht mit allen Informationen. Wird in 2-3 Wochen stattfinden, die Kampagne wird über 3 Tage dauern. Eines der Ziele ist es, Geld in die Notfallfonds zu spülen. In Deutschland und anderswo. Bitte mach mit!


Appell

Es ist jetzt wichtig Kontakte zu reduzieren, um Menschenleben zu retten. Jetzt ist der Zeitpunkt, solidarisch zu sein und nicht wieder RotlichtAN zu schreien und nach Wegen zu suchen, die Prostitutionsverbote zu umgehen. Die Mehrheit der Sexworker fällt durch die sozialen Netze, weil sie Migrant:innen sind & zu marginalisierten Gruppen zählen, die jetzt vor dem Nichts stehen. Deshalb muss der BesD Notfallfonds mit einer Spende unterstützt werden, damit niemand arbeiten MUSS, trotz Pandemie.


Das sexworker freundlichste Bordell in Berlin Wilmersdorf – Bestseller Romanautorin getroffen

Ich hatte heute eine großartige Begegnung mit Emma Becker, über die ich ein Portrait schreiben werde. Emma ist jung, talentiert und hat schon mehrere Romane geschrieben, eine französische Feministin, Intellektuelle, Schriftstellerin und Hure, jetzt auch Mutter. Ich bewundere immer Frauen für ihren Optimismus, ihre Zuversicht, Kinder zu zeugen. Ich hatte das leider nicht. Mein Gott, die Männer sind im La Maison sicher tot umgefallen, weil eine Französin, die was vom Eros versteht und käuflich ist, ist doch der Traum vieler Männer. Huren sind die besten Männer-Versteher. Hehe Sie hat den Bestseller Roman „La Maison“ geschrieben, über ein Leben in Berlin und in einem Bordell, wo ich 2007 gearbeitet habe. Emma/Justine ab 2013. Sie hat sich auch eins der schönsten und stabilsten Betten nach der bedauerlichen Schliessung privat unter den Nagel gerissen, wo ich im 1001-Nacht Zimmer meine Klienten nach Termin ab 1h glücklich gemacht habe. So schliesst sich der Kreis. Emma Becker ich habe mehr als 20 Bordelle alleine in Berlin kennengelernt, hab mich als Rakete aka Ariane durch alle Bezirke und entlang der S-Bahn Linien entlang gevögelt, aber La Maison leider viel zu spät kennengelernt, als ich schon independent escort war und nur noch wenige Termine annahm. Dafür hab ich mich immer im La Maison aka … eingemietet, auf Stundenbasis, bis die anderen Mädels alle im Dreieck sprangen, weil ich Privilegien hatte. Eine schöne Zeit in Wilmersdorf, wo wir gewohnt haben, aber leider gelangweilt haben. Als dann noch der Kamin explodierte und die Remise nicht beheizbar war und es Theater mit der Vermieterin gab, sind wir von Wilmersdorf nach Mitte geflüchtet. La Maison hat mich inspiriert und motiviert: ich werde auch einen Roman in diesem Winter schreiben. Danke Emma für diesen schönen Tag! Ich hab mir für dieses Interview nach 2h den Arsch abgefroren, weil ich mal wieder keinen Mantel trug, dafür aber meine neue Bluse und Aktivistin-Outfit, damit ich für Emma gut aussehe. Wir haben natürlich draussen gesessen und viel Kaffee geschlürft und Zigaretten geraucht.


Ich bin im Arsch

Bitte keine Leidensgeschichte! Höre ich schon. Nein, ich erzähle Euch nicht, dass ich seit 3 Tagen 24h Kopfschmerzen habe. Hab mit dem Arzt telefoniert. Er meint, ich solle abwarten, wie sich das entwickelt und dann einen Termin für einen Corona Test vereinbaren. Nun hoffe ich, dass die Kopfschmerzen, die atypisch für mich sind, nachlassen; es kann sein, dass zwei gleichzeitige Impfungen die Ursache sind.

Ich hab ja wegen Corona schon mein Testament verfasst und beim Notar hinterlegt, mir eine Grabstelle ausgesucht und Vorsorgevollmachten mit meinem Partner getroffen. Der dreht auch wegen Corona am Rad und traut sich kaum das Haus zu verlassen. Da bin ich ja abenteuerlustiger. Ich gehe maximal 1x die Woche vor die Türe, um den Müll weg zu bringen und einzukaufen. Manchmal auch ein Arzttermin. Ansonsten wird im Home Office 16 Stunden geklotzt. Die Hälfte ehrenamtlich. Aktuell laufen bei mir Zoom Konferenzen, Meetings auf Hochtouren. Ich hab schon den Überblick verloren. Ist gerade emergency angesagt, da Sexworker weltweit leiden müssen und alle marginalisierten, stigmatisierten Gruppen am allermeisten.

Wegen Corona und Isolation im weitesten Sinne liegen die Nerven blank, weshalb ich etwas empfindlich bin. Außerdem sorge ich mich ja um meine kranke Mutter und kann sie nicht besuchen. Ich warte jetzt die nächsten 2 Monate ab, wie sich das entwickelt und entscheide dann, ob ich sie besuche. Anders geht es jetzt nicht.

Ich bin ja nicht völlig untätig. Ich mache demnächst ein Interview mit der Bestseller Autorin Emma Becker über ihren Roman La Maison. Sie hat im gleichen Puff gearbeitet wie ich. Ok ich hab allein in Berlin in ca. 20 Bordellen gearbeitet. Ich verrate jetzt aber nicht, welcher Puff gemeint ist. Das bleibt das Geheimnis von mir und Emma. Das Interview könnt Ihr voraussichtlich Anfang November im Kaufmich Magazin lesen.

Als Trost in diesem Horror Jahr, das schon mit dem Brand im Krefelder Affenhaus scheisse angefangen hat, hab ich mir ja ein paar Möbel für mein Zimmer gekauft und erfreue mich jeden Tag daran. Ausserdem habe ich meine Fenster bepflanzt und bin das erste Mal in meinem Leben häuslich geworden.

Früher bin ich etwa alle 4 Jahre umgezogen. Das ist jetzt wegen der Gentrifizierung und dem Rückgang bezahlbaren Wohnraums leider nicht der Fall. Gestern war ich auf dem Friedhof Alt Stralau, wo ich eines Tages in einem Erdloch verschwinde. Die Lage ist Bestlage und das wissen auch die Einwohner, die in trostlosen Mehrfamilienhäusern und Eigentumswohnungen dort leben. Die Architektur gefällt mir nicht, sie ist zu eckig, nicht organisch. Schade, damit eine Halbinsel Alt-Stralau zu verschandeln. Aber die Lage…. was würde ich darum geben, direkt an der Spree zu leben. Ich hab ja mal dort gelebt mit Blick auf die Spree in Kreuzberg. Warum ich da leider weg gezogen bin, ist eine andere Geschichte. Jetzt ist die Cuvry Brache zugebaut mit Bürohäusern und die Aussicht im Arsch.

Dies wird mir in diesem Leben nicht mehr vergönnt sein. Aber dafür habe ich dann Bestlage nach meinem Ableben. Ätsch.

PS: Ansonsten züchte ich Pflanzen und fotografiere Blumen. Ficken war gestern.

Berlin im Oktober 2020