Edinburgh – Fringe 2019

Alle guten Dinge sind drei. Ich bin ab nächste Woche zum dritten Mal in Edinburgh. In Glasgow war ich allerdings auch schon. Vielleicht habe ich trotz meines kurzen Aufenthalts etwas Zeit, einen Abstecher in die Highlands zu wagen oder in einer Whisky Destillerie einen Schluck zu nehmen.

Hauptsächlich dreht sich aber alles um das Fringe Festival, wo ich meine Freundin Desiree Burch besuche, ein kommender Star am Stand Up Himmel.

Meine letzten beiden Besuche in Edinburgh fallen noch in eine Zeit, wo ich als aktive Sexarbeiterin tätig war. Allerdings ist vor Ort nicht viel gelaufen. Bei meinem ersten Besuch arbeitete ich in einem Bordell, das als Massagesalon getarnt war, und wo man mit AO Anfragen überschüttet wurde. Ich hab recht schnell die Kurve gekratzt. Unter solchen Bedingungen läßt sich kein Geld verdienen.

Das letzte Mal war ich genau vor 8 Jahren in Edinburgh und hatte auch mal 2 Dates, die im Hostel bzw. im Auto endeten, weil ich keine Empfangsmöglichkeit hatte. Außerdem wohnte ich privat in einer WG, wo ich niemanden empfangen konnte. Zu Hotelbesuchen ist es garnicht erst gekommen.

Ich war sogar 2 Wochen vor Ort, bin täglich zu einer Chinesin gegangen, die mich mit Akupunktur behandelt hat. Die Gegend, in der ich wohnte, nennt sich Marchmont und ist wirklich sehr schön. Tolle Altbauten und Häuser aus rosa farbenen Sandstein. Die Anwohner spielten im Park Golf.

Dort wohnte ich in einem Zimmer, in dem Gardinen und Tapeten das gleiche Tartan Muster hatten, also hübsch kariert. Zwischendurch hatte ich ein Vorstellungsgespräch in Barcelona und hatte den Job auch bekommen. Seitdem arbeite ich für Kaufmich, bin also in der Sexindustrie geblieben.

Wohin sollte ich auch sonst? Mit meiner Biografie kommt man kaum woanders unter, sofern man sich outet und keine praktische Berufserfahrung außerhalb der Sexarbeit vorweisen kann. Hinzu kommt das Alter, wo die Einstiegschancen sinken, je länger man in der Sexarbeit tätig ist. Sexarbeit ist also gewissermaßen eine Einbahnstraße, außer man steigt in die Gruppe der Profiteure auf und wechselt auf die Betreiberseite.

Das letzte Mal in Edinburgh war so irre komisch, da ich ja ebenfalls im Rahmen des Fringe Festivals auftrat. Allerdings waren meine Auftritte eine einzige Pleite, da die Technik nicht funktionierte, meine Latexmaske auf der Bühne geplatzt ist und schließlich auch mein Lederrock, da mein Arsch einfach zu dick geworden war.

In diesem Jahr bin ich nur einige Tage vor Ort, bevor ich weiter nach Cornwall reise. Mittlerweile bedauere ich die Entscheidung, nachdem alles gebucht ist. Nicht nur ist mein schwuler Freund, den ich besuche, krank und depressiv; ich bin auch nur kurz vor Ort, da sich An- und Abreise lang und umständlich gestalten. Eigentlich lohnt sich der Aufwand nicht, aber jetzt ist nun mal schon alles organisiert und gebucht.

Ich bin also nur 1 Tag und 2 Nächte in Cornwall, dafür übernachte ich in Bristol, damit ich meinen Flieger nicht verpasse. Das Risiko, daß ein Zug verspätet ist oder gecancelt wird und ich meinen Flieger verpasse, wollte ich schlußendlich nicht in Kauf nehmen.

Slow travel ist die Devise, kein Streß. Ich werde jedenfalls in Bristol wieder eine Nacht im Hostel nächtigen, dort wo ich schon 2002 war. Ich verbinde schöne Erinnerungen mit dieser Zeit.

Leider ist tierisch viel Zeit vergangen und als alte Frau in einem Hostel macht man sich erstmal verdächtig. Dort, wo sonst nur Teenager und junge Abenteurer aus der ganzen Welt übernachten. Aber solche Reisen in die Vergangenheit bedeuten für mich immer eine Verjüngungskur. So ist das. Das hab ich zuletzt auch wieder in Amsterdam erlebt. Ich will einfach nicht alt werden, aber der tägliche Blick in den Spiegel ist gnadenlos.

Nun werde ich weiter an meiner Keynote über Big Sister am kommenden Samstag beim Hurenkongress feilen. Ich werde nicht vom Blatt ablesen. Das ist unprofessionell. Wünscht mir Glück!


Bristol

In meiner Vorfreude auf Bristol, muß ich doch mal unbedingt eine Anekdote loswerden, weshalb es mich 2002/2003 nach Bristol zog. Ich hatte mich in den Sänger von Massive Attack verknallt, der in Bristol wohnte. Angeblich soll er gelegentlich Escort Girls gedatet haben.

Um das herauszufinden, habe ich meine Wohnung in Berlin aufgelöst und bin nach Bristol gezogen. Mit nix als 3 Koffern. Dort angekommen hab ich in einem kleinen Puff in Bristol gearbeitet. Suzys Ranch, die auch einen Ableger in Swindon hatten. Die Gäste waren korrekt und haben immer kleine Geschenke mitgebracht. Anders die deutschen Gäste, die meisten sind Geizhälse. Selbst Stammkunden fangen hier an, das Honorar runter zu handeln.

Jedenfalls hab ich mich in Bristol auf die Suche nach Robert del Naja gemacht. Ich hatte erfahren, daß Massive Attack auch einen Nachtclub in Bristol besitzen. Ich bin natürlich dorthin, um mit Robert einen Whiskey zu trinken, hab jedoch niemanden angetroffen. Nachdem mich Robert auch nach zig Wochen des Wartens auf ihn nicht gedatet hat – ja wir boten auch Escort an – , hab ich meine sieben Sachen gepackt und bin nach London umgezogen.

Nicht ohne mir vorher ein Bild über andere Bordelle in Bristol zu machen. Die sind offiziell verboten. Dennoch gibt es sie.

Ich bin immer noch der größte Fan von Massive Attack. In Bristol fand damals auch ein Open Air Musik Festival mit ihnen statt. Auch The Streets waren dabei. Und Goldfrapp. Ein Konzert von Goldfrapp hab ich dann in London besucht. Aber das ist eine andere Geschichte.


Sexsubjekt


Reisefieber

Als Escort war ich es gewohnt, durch Europa und die Welt zu touren. Diese Zeiten sind lange vorbei. Oder?

In diesem Sommer ist alles anders. Ich muß mal wieder wie ein Matrose mehrere Häfen ansteuern. Nachdem ich kürzlich auf Sylt mit meiner Mutter war, drehen sich meine kommenden Reisen rund um meine eigenen Bedürfnisse. Die da sind:

Amsterdam und Meer: zunächst geht es zu einem Kurztrip nach Amsterdam. Ich wohne im Rotlicht Viertel, werde dort rumstromern und mir gemütlich eine Tüte rauchen. Dazu gibt es Milchshakes, Kuchen und Flan, Bitterballen und Pommes mit der besten Mayonnaise der Welt. Anschließend geht es an die holländische Nordseeküste, wo ich meine jüngste Schwester und ihre Familie besuche. Ihr Mann hat dort eine Surfschule und sie haben gerade ihr erstes Kind bekommen. Gerade mal 4 Wochen alt. Die Kleine ist so süß und ich möchte sie unbedingt sehen und mir nicht nur Bilder und Videos von ihr anschauen.

Anschließend geht es in meine alte Heimat, das Ruhrgebiet, wo ich ebenfalls Familie besuche. Bei einer Patchwork Familie ist es leider so, daß ich verschiedene Städte ansteuern muß, da alle weit verstreut voneinander leben.

Im August geht es dann in mein geliebtes Großbritannien bzw. nach Schottland und Cornwall. Außerdem mache ich einen Abstecher nach Bristol. In Schottland werde ich wieder das Fringe Festival in Edinburgh besuchen. Meine amerikanische Freundin, Stand up Comedian Desiree Burch, ist wieder on stage und das darf ich auf keinem Fall verpassen.

Anschließend düse ich nach Cornwall, einen Freund besuchen. Er lebt dort in einem idyllischen Ort am Meer, den ich unbedingt kennenlernen muß. Die Landschaft ist einfach göttlich! Die Küstenorte pittoresk. Es gibt viele Blauhaie vor der Küste. Ob die auch auf der Speisekarte stehen?

Und im September gehts wieder nach Barcelona, wo ich arbeite und natürlich jede Menge Spaß habe.

Und der Juli und August sind übrigens fest in der Hand politischer Aktionen und Kunst über Sexarbeit. Im Juli startet das Projekt Strich / Code in Berlin mit einer Wagenburg aus Lovemobilen am Washingtonplatz am Hauptbahnhof. Hier geht es um Schwarmkunst und die Interessen von Sexarbeitenden. Natürlich werde ich im Kaufmich Magazin darüber berichten. Außerdem über einen Sexworker Event in Hamburg und den Hurenkongress, der im August in Berlin stattfinden wird. Dort werde ich auch eine Keynote halten und über mein Online Beratungstool Big Sister für Sexarbeitende sprechen. Schließlich muß es sich ja rumsprechen, um gefunden zu werden. Das ganze soll auch mehrsprachig werden.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen schönen Sommer! Verratet mir doch Eure Urlaubsziele. Ich bin gespannt!


Madame Goldschwanz 2008

Mit Perücke. Ich habe das Bild Mary Magdalene genannt. 🤩


Ich fordere Schmerzensgeld und Renten für Opfer von Kundengewalt

Kürzlich habe ich mit meiner Mutter Urlaub auf Sylt gemacht. Leider war es nicht so erholsam wie erhofft, weshalb ich im Juli/August unbedingt nochmal für ein paar Tage in den Urlaub fahren muß. Gleich nach meiner Rückkehr mußte ich ins Krankenhaus und eine aufwendige Untersuchung über mich ergehen lassen. Die Diagnose ist leider nicht gut ausgefallen. Jetzt habe ich noch eine weitere chronische Erkrankung, eine Pankreatitis, die tödlich enden kann.

Hauptursache für meine geschädigte Bauchspeicheldrüse sind die Psychopharmaka, die ich einnehmen muß. Ich finde das alles maßlos ungerecht. Leider finde ich auch keinen Arzt, der mich mit alternativen Behandlungsmethoden behandelt und mich begleitet, die Psychopharmaka abzusetzen. Das ist nämlich ziemlich riskant, da ich mit hoher Wahrscheinlichkeit dann einen Rückfall haben werde und wieder in der Psychiatrie für 2-3 Monate lande. Das würde auch bedeuten, daß ich natürlich in dieser Zeit nicht arbeiten kann. Ich liebe meine Arbeit.

Ich bin jedenfalls total wütend. Die Psychose, mit der ich mich lebenslang rumschlagen muß, habe ich ja aufgrund von Gewalt und Traumata in der Sexarbeit erlitten. Die Medikamente, die ich deshalb nehme, haben in den letzten Jahren meine Bauchspeicheldrüsenentzündung ausgelöst, die sehr gefährlich ist und tödlich enden kann. Ich muß nun meinen gesamten Lebensstil umstellen und abstinent leben, einen Ernährungsplan aufstellen.

Außerdem muß ich die gefährlichen Psychopharmaka weiternehmen, bis ich eine alternative Behandlungsmethode gefunden habe. Das bedeutet, daß ich weiter Pillen schlucken muß, die die Pankreatitis befeuern.

Ehrlich, warum gibt es kein Schmerzensgeld und eine Opferrente für Sexarbeiterinnen, die Kundengewalt und Traumata erlitten haben? Das würde mich zwar nicht gesund machen, aber es wäre ein kleiner Ausgleich, der mein Leiden anerkennt und damit auch die Schuld der Täter.


Liebe

Die Huren sind meine Familie. Ich habe 10 Jahre aktiv und 8 Jahre passiv mit Huren verbracht, seit kurzem wieder aktiv. Natürlich liebe ich auch meinen Mann. Ein Pionier und Künstler. Ende des Jahres werde ich einen Webshop für seine Kunst eröffnen. Ist zwar schwierig, Kunst zu verkaufen, aber es bleibt uns nichts anderes übrig. Die Galeristen von H1 leben nicht mehr oder haben das Handtuch geschmissen. Naja und ab einem gewissen Alter tut das Netzwerken weh und da geht man nicht mehr aus dem Haus. Im Sommer gibt es wieder eine Ausstellung an einem richtig coolen Ort. Mehr wird nicht verraten. Ohne meinen H1 wäre das Leben trostlos. Die Liebe ist das wichtigste auf der Welt. Die Liebe zu meinem Partner und zu meiner Community. Wir sind zwar mittlerweile geschieden, aber leben in wilder Ehe. Hehe

Paranorm