Sexarbeit neu denken

Ich glaub mein Bekannter aus dem tiefsten Rotlicht Milieu, der 40 Jahre dort gearbeitet & auch die letzten zwei Artikel hier in meinem Blog veröffentlicht hat, und ich mit 20 Jahren Erfahrung in der Prostitutionsindustrie auf dem Buckel, sind die einzigen echten Rotlicht Philosophen. Niemand sonst beschreibt die Realität so wahrheitsgetreu und ehrlich.

Meine soziale Herkunft und das Rotlichtmilieu haben auf meine Sprache abgefärbt, obwohl ich an einer US-Elite Uni für meine Doktorarbeit und damit am Herz neoliberaler Wirtschaftstheorie an der Chicago School operiert habe.

Einige Prostituierte, Dominas & Escorts kritisieren mich aber nur wg meines Tons, wenn ich wütend werde und mir Happy Hooker Narrative oder Sprachpolizei verbitte, aber hören mir überhaupt nicht zu & lesen auch nicht meine Texte, sodass ihnen meine Kritik an der Prostitutionsindustrie und staatlicher struktureller Gewalt und die politischen Forderungen, die ich aus der Wirklichkeit ziehe, intellektuell verschlossen bleiben & jede Empathie ebenso.

Mein Bekannter mit 40 Jahren Milieu-Erfahrung und ich kommen zu gleichen Schlüssen, weil wir durch die soziologische Methode der „teilnehmenden Beobachtung“ zu gleichen Zustandsbeschreibungen gekommen sind. Dies fliesst auch in mein Buch Sexwork 3.0 ein. Die sozialethische Frage der Prostitution, die im letzten Blog Thema ist, hab ich auch mal in meinem Blog vor 12 Jahren angesprochen, aber nicht beantworten können, aber bin durch langes Nachdenken und Recherche zum Ansatz der „Schadensminimierung“ (harm reduction aus der Sozialarbeit) gekommen, von dem ich meine politischen Forderungen in meinem Buch ableite.

Schadensminimierung, -reduzierung oder -minderung (engl.: harm minimization bzw. -reduction) „stellt ein Konzept dar, das die Abnahme der mit einem Drogenkonsum oder Pathologischen Spielen verbundenen Risiken und Gesundheitsgefährdungen zum Ziel hat. Unter den Begriff Schadensminimierung fallen Maßnahmen, die diese Risiken senken, ohne dass sie unmittelbar oder unbedingt zur Substanz- bzw. Impulsfreiheit beitragen müssen“ (Quelle: Wikipedia).

Ich denke da ganz pragmatisch, wie man Gewalt, Ausbeutung, Zwangsprostitution und die Nachfrage nach Opfern austrocknen kann. Ist alles in meinem Buch beschrieben. Allerdings wird es kaum gelesen und wenn doch, wird im Kapitalismus alles einer sog Unternehmensethik unterworfen und Ethik höchstens als Imagepolitik/Selbst Marketing verkauft. Ethik ist selbst zu einer Ware, einem käuflichen Label und Aushängeschild geworden. Auch in der globalen „Rettungsindustrie“, wo so Spenden generiert werden, die selten den Betroffenen zugute kommen. Im Gegenteil werden Opfer von Zwangsprostitution nicht geholfen, Menschenhandelsopfer deportiert.

Deshalb ist ein gelebter Humanismus in der Bevölkerung kaum noch vorhanden und die Hüter einer christlichen Ethik – wie die katholische Kirche – haben die Ethik selbst durch kriminelles, grausames Handeln verraten.

Mein Erkenntnis-Interesse gilt als Politikwissenschaftlerin den Macht Verhältnissen in der Prostitution und Lösungen gegen Gewalt und Ausbeutung. Die Hurenverbände machen fast nur Imagepolitik, damit alles so bleibt wie es ist. Ich habe über Imagepolitik in der politischen Kommunikation meine Diplom- und Doktorarbeit geschrieben und auch über Identitätspolitik – Gender, Rasse, Klasse – schon vor 25 Jahren geforscht und kenne die US-amerikanische Diskussion aus erster Hand. Insofern hab ich mein Handwerk gelernt und kann auch anglo-amerikanische Identitätspolitik, die in deutschen akademischen Zirkeln und Parteien, Medien für Jobs sonst arbeitsloser Akademiker sorgt und die Köpfe ungebildeter, linker Kreise verwirrt, auseinander nehmen, da dieser Diskurs teils völkisch/identitär geführt wird und tatsächlich überhaupt garnichts zur Lösung der prekären Lagen der meisten Afro- Amerikanerinnen, benachteiligter und diskriminierter Minderheiten in Europa und zur sozialen Frage beiträgt.

Das sexpositive Narrativ, das Narrativ der „Glücklichen Hure“ ist nur Marketing für eine rückständige, neoliberale Industrie, die die Opfer vollständig ausblendet. Deshalb kann ich das alles nicht ernst nehmen. Denn Kosmetik hilft nicht, eine vollständige Entkriminalisierung und sinnvolle Regulierungen durchzusetzen.
In der deutschen Hurenbewegung gilt weiterhin das „Recht des Stärkeren“, ist auch schon seit der Antike so und wird sich unter neoliberalen Verhältnissen auch nicht ändern.

Das neoliberale Denk System ist völlig korrupt. Mir als Arbeiterkind ist durch Unterstützung der soziale und Bildungsaufstieg gelungen, bis ich mein Wissen gegen das System selbst angewandt habe und Neoliberalismus kritisierte. Sofort wurde ich vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen und bin anschaffen gegangen. Und als ehemalige Prostituierte wird man natürlich auch ausgeschlossen. Das ist der Grund, warum ich schreibe und warum sich vieles ändern müsste. Eine absurde Hoffnung, die mich treibt.

Ein Interview mit mir zu meinem Buch Sexwork 3.0 ist hier zu finden

https://www.berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2021/05/07/sexwork-3-0-und-wie-wir-zwangsprostitution-verhindern-ein-interview-mit-autorin-martyra-peng/


Sozialethik im Puff

Der folgende Text wurde mir ebenfalls aus dem tiefsten Rotlicht Milieu zugespielt.

Der Begriff Sozialethik, auch Gesellschaftsethik, genannt, bezeichnet einen Teilbereich der angewandten Ethik, der sich vorwiegend mit den gesellschaftlichen Bedingungen eines „guten Lebens“ befasst. Hieraus ergeben sich Fragen nach der Stellung des Individuums in der Gesellschaft, nach Werten wie Freiheit, Toleranz, Gerechtigkeit oder Nachhaltigkeit und die richtigen Strukturen für gesellschaftliche Institutionen wie Recht, Wirtschaft, Unternehmensethik, Arbeit, Ehe, Familie, Migration, Kultur, Medien oder dem Gesundheitssystem, nach gerechtem Lohn oder Armut und der Umsetzung dieser Themen in der Politik.

Auf das Rotlichtgeschäft im Allgemeinen und auf die Charakteristik der Prostitution bezogen, kann/könnte man folgendes ableiten – übrigens ungeachtet von juristischen und/oder strafrechtlichen Komponenten:

Ebenso wie man Rockergruppen, z.B. Hells Angels, Banditos, Outlaws usw. usw. den Subkulturen zurechnet, so bindet man auch Bordellbetreiber und deren Mitarbeiter (Wirtschafter, Sicherheitsleute, usw.), Rotlicht-Bars, Striplokale, Pornoindustrie und natürlich auch die Prostituierten selbst – einige wenige Ausnahmen mag es immer geben – in die  gesellschaftliche Subkultur ein.

Niemand dort entspricht nur annähernd einem gefestigten, im Sozialverhalten zuverlässig geltenden Mainstream. Und das wollen sie ja auch nicht. Die dort tätigen und lebenden Personen wollen „anders“ sein. Sie grenzen sich durch Extravaganz, betontem Individualismus, durch teils auffällige Kleidung – siehe dazu das in den 70er, 80er und teils noch in den 90er Jahren auffällige Äußere der Zuhälter/Luden, aus. Daraus wurden unzählige Klischees, nein, es sind genau genommen zu Recht lancierte (negative) Vorurteile entstanden, die mit Rigorosität, mit gnadenloser Ausbeutung, mit Respektlosigkeit, Egoismus und Verachtung zu tun hatten. Das erging in beide gesellschaftliche Richtungen.

Aber auch die Prostituierten selbst wollten anders gesehen werden. Das denkbar schlechte Image, das man Prostituierten unterstellte, stellten sie selber nie in Frage. Es ist/war ihnen gleichgültig.

Innerhalb diesem meist nicht appetitlichen Gemisch war – logischerweise – Kriminalität nie fern. Also alles, was mit Tricksereien aller Art, mit Betrug und Irreführungen zu tun hatte und leider nicht selten auch mit Gewalt zur Durchsetzung jedweder Interessen.

Die SUBKULTUR feierte sich selbst.

Nahezu jeder im „Gewerbe“ kommt schon von Kind an aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Schwieriges Elternhaus, rabiater Umgang im Kindes- und Jugendalter. Wertevermittlung fand, ebenso wenig wie weitreichende Bildung, nicht statt. Unrechtsbewusstsein war/ist schon jeher unterentwickelt, in ganz harten Fällen sogar Fehlanzeige.

Was bleibt also, um irgendwie an „leichte“ Kohle zu kommen?

Puff, Bordell, Rotlicht, Ficken gegen Geld, Prostitution, Pornografie, etc. etc. etc. Der soziale Abstieg ist nicht mehr aufzuhalten und auch für jene nicht, die durch allerlei Tätigkeit im Rotlicht-Gewerbe gutes Geld – meist wird es natürlich nie versteuert – machen.

Würde z.B. ein männlicher Manager eines mittelständigen Unternehmens, wo er irgendwo zwischen 100.000 und 150.000 € Jahresgehalt bezieht, sich freiwillig zum Management eines Puffs überreden lassen bzw. eine solche Tätigkeit selber aufsuchen?

Warum sollte eine Frau, die auch einer guten beruflichen Tätigkeit nachgeht, sich für die Tätigkeit einer Prostituierten interessieren und nahezu jedem dahergelaufenen „Freak“ seinen ungepflegten Pimmel lutschen oder sich AO-mäßig (Anm. von mir: AO bedeutet Geschlechtsverkehr/Blasen ohne Kondom) die Bums-Dose malträtieren lassen – auch noch für verhältnismäßig wenig Geld, z.B. für 50 oder 100 €?

In Frankfurter Laufhäusern war es während der letzten 15 bis 20 jahre durchaus normal, dass die osteuropäischen Huren sich bereits für 30 € ohne Kondom ficken ließen. 20 € mit Kondom. Tja, was soll man dazu sagen?

Führt man sich das alles vor Augen – ja, all das wird natürlich immer und überall unterschlagen und unter den Teppich gekehrt, man will es aber dennoch im Sinne der Geschäfte immer rechtfertigen, gar weiterhin fördern – dann muss klar werden, dass die für eine Gesellschaft im Ganzen wichtige SOZIALETHIK vergewaltigt und in ad absurdum geführt wird.

Und wie gesagt. Mit juristischen Spitzfindigkeiten sowohl für als auch gegen Prostitution, hat das nichts zu tun.

Über diese Komponente im gesamten Kontext hat sich noch niemand ernsthaft die Birne zerbrochen. Kein BSD, BESD, kein Dona Carmen e.V. oder wer sonst noch unbedingte, gar fundamentalistische Verfechter von Paysex in allen Variationen ist. Es interessiert niemanden. Stattdessen behielten niedere Beweggründe und primatenhafte, unzivilisierte Verhaltensweisen stets die Oberhand. Daran muss man erkennen, mit welcher bodenlosen PRIMITIVITÄT ein bestimmter Teil der Gesellschaft gekennzeichnet ist.


Prostitution ist ein Auslaufmodell

Folgender Text wurde mir wieder aus dem Rotlicht Milieu zugespielt:


Schaut man in der Zeit zurück, wird man immer wieder feststellen, dass es käuflichen Sex, genauer gesagt die Verabreichung sexueller Dienstleistungen gegen Zahlung z.B. eines Geldbetrags, schon seit jeher gab. Also auch im Altertum und vielleicht sogar schon davor. Man spricht landläufig vom „ältesten Gewerbe“ der Welt. Es geht dabei nicht nur um den (alt)-klassischen Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau, sondern um alles, was zur sexuellen Befriedigung des verlangenden Kunden – ja, es gibt auch Kundinnen ─ führt.

Auch zukünftig wird es diese Angebote und diese Art von Geschäft geben.

Doch bleiben wir mal in der Jetztzeit bzw. reflektieren wir die Zeit zwischen den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Ich will nun keine detailgenaue Schilderung der letzten 60 bis 70 Jahre vornehmen. Lediglich ein paar Bemerkungen zum Stand der Dinge von Damals reflektieren.

Mitentscheidend für eine liberale und z.T. auch völlig enthemmte Einstellung zur Sexualität unter der Betrachtung mit dem Stand heute, war die Einführung der Antibabypille Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Bis dahin redete man nicht von oder über Sexualität. Auch die christliche Glaubenslehre verbreitete ihr ureigenes Mantra diesbezüglich und sie tut es – im Zuge ihrer oft verbrecherischen Doppelmoral (siehe deren Taten dazu im Hinblick auf sexuelle Nötigungen aller Art, sexueller Missbrauch von Jugendlichen und Kindern) – noch heute. Das bis dahin gültige, statuierte Verständnis, wie sich ein Mann und wie sich eine Frau in der Gesellschaft zu verhalten hat, unterlag den moralischen (autoritären), kirchlichen und staatlichen Fesseln/Zwängen der erzkonservativen, verstaubten Reaktionären aus Politik und, wie gerade geschrieben, der Kirche.

Die Antibabypille und der damit einher gehende andere, nämlich ein neuer  zwischengeschlechtlicher Umgang führte dazu, recht schnell angstfrei und unbefangen drauflos „rammeln“ zu können. Die berühmte „Kommune 1“ in Berlin zelebrierte dies damals teils ungeniert, teils provokant. Der gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Mief der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, worin Sex/Sexualität streng, stringent von Tabus gekennzeichnet und folglich dämonisiert und als etwas Schreckliches verbreitet worden war, wurde aufgebrochen. Das hat die heutige Gesellschaft weitgehend den „68zigern“ zu verdanken, die von den heutigen, Erzkonservativen, von Neo-Nazis, von AfDlern und sonstigem rechten Gesindel als „links-grün-versifft“ diffamiert werden. Nicht nur allgemeine und spezifische gesellschaftspolitische Veränderungen nahmen ihren Weg, auch der Bezug zur Sexualität wurde offen und Jahre später – die Legalisierung von Pornografie tat ihr Übriges – komplett liberalisiert.

Lediglich die katholische Kirche verschloss sich bis heute sämtlicher gesellschaftlier Veränderungen und verharrt im Zeitalter vormittelalterlicher Riten und Gebräuche. Die damit fulminant aufgetretenen Probleme sind bekannt (geworden).

Soweit diese kurze, extrem komprimierte, natürlich auch unvollständige Nacherzählung.

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Szene der Prostitution z.B. in Frankfurt am Main.

Ich zitiere um die Einfachheit wegen das folgende, https://www.fnp.de/frankfurt/bordelle-banker-bohme-buch-ausstellung-ueber-bahnhofsviertel-10391336.html:

Verbrechenshochburg: Nach dem Krieg stranden im Bahnhofsviertel viele Heimatlose, die Männer schlagen sich mit Schwarzhandel durch, die Frauen mit Prostitution. „Ami-Liebchen“ werden sie genannt, oder auf Amtsdeutsch „HWG“: Frauen mit „häufig wechselnden Geschlechtspartnern“. Die Polizei ist überfordert: Jedes Revier bekommt nur eine einzige Pistole – mit drei Schuss Munition. Bei Schießereien rückt der „Weiße Traum“ an, drei weiß angestrichene, alte Wehrmachtsfahrzeuge. Die Sirene müssen die Polizisten mit der Hand drehen.

Prostitutionsviertel:Vor 1969 gibt es in Frankfurt keine Bordelle. Prostituierte gehen auf den Straßenstrich oder bieten ihre Dienste in Privatwohnungen an. Erst 1969 bekommt Bauunternehmer Willi Schütz die offizielle Erlaubnis, in der Elbestraße das erste Frankfurter Bordell „Crazy Horse“ zu eröffnen – dafür muss er die Prostitution in seinen Wohnhäusern unterbinden. Der Städteführer „Der Strich“ notiert damals: „98 willige Mädchen, alle sehr jung, locken mit schärfster Kleidung und guter Figur zur 5-Minuten-Liebe. Die Beischlafgebühr beträgt einheitlich 40 Mark.“ Anfangs kommen laut Schütz pro Monat durchschnittlich 3000 Freier.

[persönliche Bemerkung: zu damaliger Zeit (Ende der 60er Jahre) war das wenig. 3.000 Freier waren in den 80er und teils auch in den 90er Jahren das Freierkontingent von 4 oder 5 Tagen in einem einzigen Laufhaus.]

Vier Jahre später wird eine neue Sperrgebietsverordnung erlassen. Sie besagt, dass Prostitution künftig im gesamten Bahnhofsviertel erlaubt ist – allerdings auch nur noch dort. Verschreckte Hausbesitzer verkaufen in der Folge ihre Häuser billig an Spekulanten, die sie teuer an Bordellbetreiber vermieten. Wo das nicht möglich ist, wird überteuert an illegal eingereiste Ausländer vermietet. Das Viertel wird internationaler.

 Amüsierviertel: Nach den Stripclubs und Livemusik-Kneipen der 60er und den Spielkasinos der 70er Jahre wird es für die Wirte schwieriger: Touristen bleiben aus, dafür gibt es auf den Straßen immer mehr Junkies. Als erstes durchbrechen der DJ Stefan Hantel und Hans Romanov die Tristesse mit verschiedenen Clubs, seitdem eröffnen immer mehr „hippe“ Bars, Lokale und Clubs. Spätestens seit die New York Times das Bahnhofsviertel beschrieb als „sexy, ohne unschicklich zu sein“, hat es seinen Ruf als Amüsierviertel zurück.

Höhepunkt der Prostitution in Frankfurt, aber auch in anderen Städten Deutschlands, z.B. auch in Hamburg (siehe der damalige Zuhälterkrieg in HH mit vielen Toten) waren die 80er Jahre. Damals gab es die meisten Laufhäuser und sonstige Bordelle und somit gab es auch die meisten Huren (im Vergleich zu heute).

Im Frankfurter noch heute berühmten Bahnhofsviertel, welches z.B. in den 80er Jahren mit ca. 20 Laufhäusern aufwarten konnte, zzgl. dem „Altstadtviertel“ um die Breite Gasse und Allerheiligenstraße mit weiteren 5 Laufhäusern, werkelten damals insgesamt gut und gerne 1.300 bis 1.400 Huren – teils in Doppelschichten. Wir genossen die „gute alte DM-Zeit“. Die Freier strömten in Scharen quasi rund um die Uhr – Schwerpunkt sicherlich die Wochenenden und späteren Abendstunden – in die Laufhäuser. Die Huren hatten „alle Hände- Münder- und Mösenvoll“ zu tun. Sie verdienten gutes Geld, deutlich mehr als heute und die Administration und die Strategen des Ganzen, die sowieso. Auch war das BHV besonders in den 70er Jahren voll von US amerikanischen GIs. Der US $ spülte viel Kohle in die Taschen der Huren und Puff-Betreiber. 

Vor über 15 Jahren begann spätestens der Abstieg. Heute hat sich die Hurenkapazität in den Laufhäusern mehr als halbiert. Schätzungsweise auf nur noch irgendwo bei 400 Prostituierten.

Die Männer, im Kontext als zahlende Freier zu verstehen – das waren hauptsächlich die Geburtenjahrgänge der späten Vierziger und Fünfziger Jahre ─ kamen in den Anfangsjahren der Bordellszene, also im Zeitbereich ab Anfang der 70er Jahre, eher verschüchtert und tief beeindruckt vom vorher nie dagewesenen Rotlichtambiente in die Laufhäuser. Die meisten immer noch vom alten, reaktionären Mief der 50er Jahre, auch von der Vorgängergeneration geprägten Zeitgenossen, erlebten einen „Gezeitenwandel“. Ficken, einfach so. Problemlos und hemmungslos. Unfassbar. 30, 40 oder 50 DM und das „Spektakel“ konnte losgehen. 20 Minuten später, meistens aber noch viel früher, standen sie mit geröteter Birne, aber leerem Sack, wieder im Laufhausflur und schlichen erleichtert, aber mit verschämt gesenktem Haupt von dannen. Für die meisten war nach dem Puff vor dem Puff und ein Großteil der Typen kam bereits einige Tage wieder. Es generierten sich Stammfreier, die sich ihre Stammhuren hielten, wobei natürlich auch ab und zu ne Abwechslung sein musste. Und so weiter, und so fort.

Es war eine Art sexuelle Revolution. Der Mann, der nach sexueller Befriedigung „schrie“, bekam auch immer was er wollte – sofern er die abgeforderte Gage zahlte. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Egal ob im Laufhaus, in privaten Wohnungen, in Clubs, im Escort-Bereich oder auf dem SS.

Zu jener Zeit – grob die Zeit von Anfang der 70er bis ca. Mitte/Ende der 90er Jahre, also über eine Zeitstrecke von rund 25 Jahren – gedieh das Prostitutionsgeschäft prächtig. Viel, viel Geld wurde verdient. Jene Betreiber, die damals ins Bordell- und ins Rotlichtgeschäft im Allgemeinen eingestiegen sind/waren,wurden zu Millionären. Mittlerweile leben schon einige nicht mehr oder sind jenseits der 80.

Die Liberalität im Rotlichtgewerbe fand ihren Höhepunkt Anfang der 2000er Jahre; mit der damals kreierten Fassung des ProstiSchuGesetz. Ich glaube 2003 war das. Ich will aber nicht näher darauf eingehen.

Es gab kaum noch Beschränkungen und den Huren wurde freie Fahrt gewährt. Aber auch die Betreiber und (verdeckten) Zuhälter wurden weitgehend entkriminalisiert.

Der Flatrat-Fick wurde dann auch noch „erfunden“ – schon weil die Invasion von osteuropäischen Frauen im Rahmen der EU-Erweiterung begann. Gleichzeitig trat das Schengen Abkommen in Kraft und verhinderte, dass südamerikanische Frauen weiterhin die Freier beglücken/befriedigen konnten. Diese wurden, wie gesagt, von osteuropäischen Frauen ersetzt – damit war auch der Preisabstieg unaufhaltsam. Der absolute „Billigfick“ wurde standardisiert. Damit verbunden waren Einkommenseinbußen – allerding immer zur Freude der Billig-Freier. Solche Typen sah/erlebte man besonders in Frankfurt häufig.

Im Zuge der Zeit wurde das Frankfurter Bahnhofsviertel im Bereich Puff und Huren trotzdem immer weniger interessant. Das BHV war schon jeher eine Kloake – denn auch die Drogenszene war schon seit den späten 80er Jahre dort etabliert – doch seit spätestens Mitte den 2000ender Jahren verkam das BHV zum absoluten Hotspot von Dreck und Verwahrlosung.

Mittlerweile haben wir ein restauriertes ProstiSchuGesetz (2017). Destruktiv, und in der Zielsetzung soll damit das allg. Prostitutionsgeschäft erschwert und „unattraktiv“ gemacht werden.

Und in der Tat – die Nachfrage nach Paysex hat in den letzten Jahren spürbar nachgelassen. Im Sektor Laufhaus auf jeden Fall. Verschiebungen hin in Privatwohnungen und zum Escort-Service haben indes zugenommen. Aber sicherlich nicht so signifikant, dass Frauen, die sich für den „Dienst am Mann“ rein wirtschaftlich interessieren, hier massenweise hineinströmen.

Der gesellschaftliche Wandel ist erkennbar. Die männliche Nachfolgegeneration benötigt keinen klassischen Paysex mehr, zumindest nicht auf der bisher bekannten Weise. Auch hat sich die Rolle der Frau verändert. Warum soll sie sich in den Dienst es „ewigen Machos“ stellen und seinen Pimmel sexuell bearbeiten? Nur weil der „Herr und Gebieter“ dies so traditionell erwartet? Meiner Meinung nach ist das vollkommener Blödsinn.

Wenn Prostitution, dann müsste diese eine Verhaltensveränderung erfahren. Die Frage nach Moral kann sich nicht stellen, denn würde man nur damit argumentieren wollen, hätte das Gewerbe ohnehin keine Chance.

Auch muss klar sein; Männer und Frauen, die bewusst im Rotlichtgewerbe ihre Kohle machen wollen, sind, da machen wir uns bitte nichts vor, von „besonderer Charakteristik“. Es sind meist Außenseiter der Gesellschaft und in 80 bis 90% sind sie ohne besondere, weitreichende  Bildung, dennoch keineswegs dumm. Aber  rigoros, eiskalt, knallhart egoistisch, opportunistisch und bauernschlau – oft genug auch kriminell in der Durchsetzung ihrer Interessen – in ihrem Charakterbild. Durchtriebenheit und Kapitalismus zählen zu ihrer „Compliance“. Schnelles Geld auf vermeintlich „leichtem“ Wege. Nahezu sämtliche Widrigkeiten, auch Gewaltpotenziale, werden billigend in Kauf genommen.

Doch. Ich persönlich glaube, dass das Prostitutionsgeschäft keine wirkliche Zukunft haben kann. Zumindest nicht mehr auf die seit Jahren bekannt inflationäre Art. Diese Zeiten sind vorbei. Auch unter sozialethischen Kontexten sehe ich hier keine Rechtfertigung.

Nur Reaktionäre, gesellschaftlich Verwahrloste, Erzkonservative und Unverbesserliche glauben nachwievor an eine einträgliche Zukunft. Nun, da kann man nichts machen.

Ist das Geschäft mit der Prostitution also ein Auslaufmodell?

Ich sage – JA. Es ist ein Auslaufmodell.


Kohle

Es geht um den Versuch, ein richtiges Leben im Falschen herzustellen. Es geht um eine vermurkste Kindheit und Jugend, um einen vermurksten Staat und den Versuch im Irrenhaus zu überleben und Würde zu behalten.


Nazi Nutten vs „Zigeunernutten“

Antiziganismus ist noch recht verbreitet in Deutschland. Ich beobachte das schon sehr lang, auch die Situation von Roma in Berlin, in der Prostitution. In einigen Freierforen ist auch öfter mal die Rede von „Zigeunernutten“. Die Freier verschanzen sich in der Anonymität und lassen ihren Hass in diesen Foren ab, so wie andere am Stammtisch. Davon abgesehen ist fast das ganze Internet ein Stammtisch geworden, was man gut in den sozialen Medien besichtigen kann, wo die Gülle aus allen Poren dringt. Dieser Rassismus macht sich meist breit in Foren, wenn dort nicht streng moderiert wird und wenn die Seiten ohne deutsches Impressum im Ausland gehostet sind. Es gibt dort auch andere Formen von Hassrede. Ich hoffe, dass es der Politik gelingt auch mit neuen Digitalgesetzen solchen Plattformen den Stecker zu ziehen. Kein Mensch, auch keine Prostituierte, muss sich erniedrigen lassen, nicht gegen Geld oder anonym im virtuellen Raum. Das wird sich ändern.

Die Geschichte der Roma und Sinti ist auch sehr interessant und nachdenkenswert. Erst vor 150 Jahren wurden sie aus der Sklaverei befreit, aber in Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Tschechien weiter bis zum heutigen Tag diskriminiert bis zu Menschenjagd. In Deutschland werden sie als Billiglöhner ausgebeutet, auch in der Prostitution. Auch Nazi Nutten führen eine rassistische Rede und machen Roma verantwortlich, dass sie die Preise kaputt machen. Tatsächlich haben sich die Preise zb in Berlin seit 40 Jahren nicht verändert, da es immer alle Preiskategorien für unterschiedliche soziale Klassen gab. Das war schon in der Antike und im alten Rom so. Das weiss ich auch, weil ich Althuren kenne, die schon in den 60er Jahren angeschafft haben. Jedenfalls landen viele Roma Frauen in Europa auf dem Straßenstrich, da Betreiber sie nicht in ihren Bordellen wollen. Sie sind also in jeder Hinsicht gearscht. Als Volk, das im Holocaust teilweise vernichtet wurde, als Sklavenlöhner im reichen Westeuropa, als Opfer von Rechtsextremismus und Antiziganismus in der Bevölkerung. Mich interessiert deshalb ihr Schicksal besonders und wie sie sich aus ihrer Lage befreien können und was unsere Gesellschaft dazu beitragen kann. Manche sind auch in Menschenhandel verstrickt. Als Opfer, Täter, in der Kinderprostitution. Wenn die europäischen Gesellschaften aufhören, diese Menschen auszuschliessen und wie Sklaven zu behandeln, ist es möglich ihnen hierzulande eine lebenswerte und menschenwürdige Perspektive zu geben. Ich hab auch Roma Frauen in der Prostitution kennengelernt. Eine arbeitet auch für eine Beratungsstelle in Hannover als Übersetzerin.

https://europa.blog/zum-tag-der-befreiung-der-rumanischen-roma-aus-der-sklaverei/?fbclid=IwAR0jx4HF54K8GB7NMXO_hdCXXlwg5CyW7nftEKvvFiv5n1GQLscVylNjABs


Zu allem quer

Was viele nicht wissen: der Handlungsspielraum von Politik in Deutschland liegt bei unter 5%, alles andere sind Kapitalinteressen, die da wirken. Woher ich das weiss? Das haben Wissenschaftler schon lange veröffentlicht. Neoliberale Ideologie hat sich in die Mehrheit der Köpfe eingebrannt, der american dream wurde globalisiert, eine Lüge, die alle glauben wollen, weil das System sie belohnt, geldgeil zu sein. Die einzigen Werte, die Konsumenten kennen, ist der Mehrwert, nicht die Werte eines Humanismus. Die allgegenwärtige Kommunikation ist von Marketing, Public Relations geprägt und auch meine Worte sind nur Content bei Facebook oder Kaufmich , um Werbung zu verkaufen. Influencer mit Duckface vor der chinesischen Mauer, die nicht bis drei zählen können, sind die neuen Superstars und Rollen Vorbilder für viele Mädchen und Frauen. Influencer sind nur Verkäufer irgendwelcher Produkte und ihre weibliche Ästhetik reproduzierbar und langweilig. Die Zeit der Diven, Individuen und Sharon Stone sind lange vorbei und tauchen höchstens noch als Wichs Fantasien in der High Class Escort Werbung auf, machen aber meist auch nur Hausfrauensex in Echtzeit, weshalb sich die Kunden in Freierforen zu Recht beschweren, dass sie dafür zahlen müssen, was sie zu Hause umsonst bekommen. Der geringe Politische Spielraum unter 5% ist vergleichbar mit der Macht der Gene beim Menschen, die bei 99% liegt. Kommt noch schwarze Pädagogik hinzu, hat ein Individuum kaum eine Chance, glücklich zu werden. In meinen Genen stecken Täter und Opfer, Nazis, Widerstandskämpfer, Republik Flüchtlinge, all das hat sich in mich hinein gemendelt. Deshalb bin ich ein Unikum, da ich zu allem quer stehe und auch nicht in Identitätspolitik und Schubladen denken kann. Meine singuläre Stellung aufgrund meiner Entwicklungsgeschichte hat mir eine besondere Verantwortung mitgegeben, die ich erfülle, auch wenn man jetzt noch über mich lacht oder genervt ist. Irgendwann werden es Leute schon verstehen. Hoffe, dass ich das noch erlebe. Bin ja schon eine alte, weiße Frau.


Der Prophet gilt nichts im eigenen Land

Es folgt ein Lagebericht zu Sexarbeit in Europa:

Ich hab mich immer noch nicht dran gewöhnt, dass meine Arbeit sabotiert wurde und wird. Heute schon wieder mit Leuten, die sich selbst als Stakeholder und Sprecher:innen der Prostitutionsindustrie begreifen. Wer mir nicht zuhören will, muss fühlen und das trifft dann die Szene unvorbereitet. Dann wird es jedoch zu spät sein, als Verband oder Betreiber Massnahmen zu ergreifen und „gemeinsame“ Lobbypolitik im Interesse ALLER Prostituierten, inbesondere Migrant:innen zu machen. Ich habe auf schmerzvolle Art in den letzten Jahren gelernt, was toxische Kommunikation bedeutet. Ein Grund, warum sich Menschen scharenweise aus der Hurenbewegung verabschieden. Mir ist noch nicht klar, ob es böse Absicht ist oder Dummheit. Ist mir seit heute auch egal, weil diese Leute früher oder später die Quittung für Unterlassen und Komplettversagen bekommen, indem sie hoffentlich durch wirklich kompetente Menschen und Sprecher:innen ersetzt werden. Letztlich tragen (selbst) ernannte Sprecher:innen durch Unwissenheit, Ideologien oder Kalkül durch Falschaussagen in der Öffentlichkeit weiter zum eigenen Glaubwürdigkeitsverlust bei und werden in der Politik auch weiterhin auf taube Ohren stoßen.

Das Problem ist nur, dass Sexarbeiter in Deutschland und Europa unter diesen Inkompetenzen leiden und weiter leiden werden. Niemand interessiert es offenbar, mit welchen Strategien man das Rotlicht in Deutschland und Europa ausdrehen wird. Das geht auch ohne Sexkauf- und Prostitutionsverbote. Und wenn es dann zu spät ist, wird wieder laut geschrien wie bei der Einführung des sog. Prostituiertenschutzgesetzes, aber dann ist es zu spät und die Würfel gefallen. Der Mehrheit der Bürger ist es egal, privilegierten Sexarbeitern, die meine Arbeit sabotieren, offenbar ebenso und meine seelische Gesundheit ist mir wichtiger als mich weiter mit Idioten auseinander zu setzen. Ich erwähne es hier ein letztes Mal, da offenbar kaum jemand mein Buch gelesen hat.

Folgende Entwicklungen tragen zur Zerstörung der Prostitutionsindustrie nicht nur in Deutschland bei:

Eine europäische Migrationspolitik, die vielen Menschen keine Lebensperspektiven bietet.

In Deutschland eine Registrierungspflicht, die viele in die illegale Prostitution mit negativen Folgen zwingt, was wiederum zu politischem Handeln meist zum Nachteil der Sexarbeiter:innen führt, 80-90% sind Migrant:innen in Europa und arbeiten häufig clandestin

Viele Bordelle erhalten keine Genehmigung, höchstens eine Duldung und wenn doch, kann es durch lokales Baurecht nachträglich unterlaufen werden. Viele Betriebe werden nur geduldet, d.h. es entsteht keine Planungssicherheit und sie müssen seitens deutscher Behörden jederzeit mit Schließung rechnen.

Eine Hurenbewegung, wo Fehlentwicklungen nicht identifiziert und bekämpft werden und Sofa-Aktivismus, der sich maximal auf den Austausch von Befindlichkeiten in den sozialen Medien konzentriert, wenn sich die Gruppen nicht gerade gegenseitig öffentlich bekämpfen und damit schwächen

Eine Politik der Ächtung von Prostitution in Europa, der Welt, wie von Prostitutionsgegnern gefordert, kann man nicht mit öffentlichen Aussagen begegnen, wie glücklich und selbstbestimmt (deutsche) Sexarbeiter arbeiten oder das es sich bei Kriminalität nur „ein paar schwarze Schafe“ handelt. Da muß man schon mit anderen Kalibern d.h. Argumenten kommen.

Es gibt keine Solidarität und gemeinsame Ziele bei rivalisierenden Gruppen, Verbänden, Vereinen und viele sind nur von Eigeninteressen getrieben.

Nicht nur in Europa, in fast allen Ländern dieser Welt gibt es bereits repressive Politiken, um Prostitution zu bekämpfen und das Geschäft unmöglich zu machen. Repressive Politik führt niemals zum Verschwinden von Prostitution, sondern zu einem Anstieg an Gewalt, Abhängigkeiten und Ausbeutung. Auch Prostitutionsverbote (wie bald auch in Spanien) und Sexkaufverbote (schon 8 Staaten inkl. Kanada und Israel) werden Prostitution nicht verhindern. Die Menschheitsgeschichte hat gezeigt, daß man mit Verboten nicht weiterkommt, sondern unbedachte Negativ-Konsequenzen zum Nachteil von Prostituierten schafft. Hinzu kommen Länder ohne Prostitutionsgesetze, wo Prostitution jedoch durch Nebengesetze reguliert wird. Dazu zählt u.a. in Großbritannien und Frankreich ein Bordellverbot, was zur Folge hat, daß aus Sicherheitsgründen zwar viele mit einer Kollegin zusammen arbeiten wollen, aber sich strafbar machen und deshalb isoliert arbeiten, wo sie mit höheren Risiken von Gewalt, Raubüberfällen etc zu rechnen haben.

In den wenigen Ländern mit „liberaler“ Rechtsprechung in Europa werden in Zukunft durch zwei neue EU-Gesetze auch digitalen Plattformen reguliert werden, d.h. alle Sicherheitslücken geschlossen, die toxische Geschäftsmodelle aufrechterhalten. Morgen wird das erste Digitalgesetz verabschiedet:

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=COM%3A2021%3A281%3AFIN

Die USA führt eine harte Linie gegen Menschenhandel und hat Druck auf alle Zahlungsdienstleister und europäischen Partner ausgeübt, weshalb es Prostitutionsplattformen schwer haben, noch Bezahl-Dienstleister zu finden bzw können sie ihren Laden zuschrauben, wenn sie sich nicht an Vorgaben der US-amerikanischen Zahlungsdienstleister im Online Payment halten. Eine Kostprobe dazu gab es kürzlich bei Onlyfans. Online Medien, wo Sexworker wegen Corona Content verkauft haben, wird es in der bisherigen Form in Zukunft wohl nicht mehr geben, außer die Geschäftsmodelle werden angepasst.

Dies alles hat zur Folge, daß unabhängige Sexarbeit vorbei an Plattformkapitalismus, also auch Prostitutionsplattformen in den westlichen Industriestaaten zunehmend unmöglich wird. Sollte flächendeckend ein Verifizierungszwang für Plattform-Nutzer kommen, wovon ich ausgehe, werden staatenlose Menschen, Menschen ohne gültigen Aufenthaltstitel aus Nicht-EU-Staaten kaum Möglichkeiten haben, in der Prostitution Geld zu verdienen, außer sie weichen auf den Straßenstrich, in informelle Strukturen aus, wo sie sich in Gefahr und Ausbeutung bringen können. Benachteiligte Sexarbeiter, die aufgrund von Sprachbarrieren lieber in zertifizierten Bordellen arbeiten wollen, müssen dann in die alleinselbständige Prostitution in Wohnungen ausweichen, die sich meist nicht aufgrund von Baurecht und Auflagen des ProstSchG als offizielle Prostitutionsstätte legal anmelden lassen. Isolierte Sexarbeit ist immer ein riskantes Unterfangen. Diese Entwicklung hat sich seit Corona auch in Deutschland verstärkt. Internationale Hotelketten und AirBnB werfen bei dem geringsten Verdacht, Kunden zu empfangen, Prostituierte aus ihren Häusern.

Gentrifizierung: dieser Prozess ist weltweit schon seit 20-30 Jahren zu beobachten und das Rotlicht Bezirken deshalb das Licht ausgedreht wurde und wird. Das war in den USA so, in Südkorea, London, Paris und vielleicht bald auch Frankfurt. Jüngstes Opfer ist Amsterdam, wo der Rotlichtbezirk bald verschwindet und Arbeitsplätze in die Vorstadt in eine Art Hotel ausgelagert werden. Begründet wurde das nicht mit veränderten Bodenpreisen und Kapitalinteressen im Zuge der Gentrifizierung von Innenstädten, sondern mit Zwangsprostitution, feministischer Politik und bösen Sauf- und Billigtouristen, die nur gaffen und Huren in den Schaufenstern beleidigen. Bei der politischen Rangelei um Straßenstriche sollte man dies im Hinterkopf behalten. Ich denke hier an Hamburg und Berlin, wo sich eine ähnliche Entwicklung abgezeichnet hat und wo die Eigentümer von Luxusimmobilien keinen Straßenstrich vor ihrer Haustüre wünschen. Bezirke rund um Hauptbahnhöfe waren früher zum Wohnen für die meisten Bürger kaum akzeptabel, da herunter gekommen; durch die Aufwertungspolitik der Innenstädte sollen die neuen finanzkräftigen Anwohner nun vor dem Anblick sichtbarer Armut, Obdachlosigkeit, Prostitution, Drogenhandel geschützt werden.

Allerdings ist den tatsächlichen Opfern von Zwangsprostitution bei all diesem Wirken nicht damit geholfen, das sie den Arbeitsort ändern, aber das interessiert Prostitutionsgegner und Feministinnen ja auch gar nicht. Im Prinzip sind ihnen Prostituierte nicht nur egal, und zwar egal welcher Hautfarbe und Geschlecht, sie werden als Feinde im Verrat an feministischen Zielen gegeißelt. Deshalb verfolgen Feministinnen in Europa eine Politik der Saubermänner- und Frauen, denen das Schicksal von Prostituierten völlig gleichgültig ist, auch wenn sie clandestin unter schwierigsten Bedingungen weiter arbeiten, um zu überleben, wo sie mehr Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt sind. Diese Entwicklung läßt sich in Schweden und Frankreich prima studieren.

Dies ist meine vorläufige Einschätzung der Lage. Aber bitte schlagt nicht den Überbringer der schlechten Nachrichten, sondern denkt euch endlich eine menschenrechtsbasierte Prostitutionspolitik aus oder lest mein Buch, und stellt endlich die Interessen ALLER Prostituierten bei der Öffentlichkeitsarbeit in den Mittelpunkt.


Hilfe! Silicon Valley & das Kapital zerstören die Sexindustrie

Folgender Vorfall bei Linktree ereignete sich. Bitte lesen oder übersetzen mit DeepL.

https://www.inputmag.com/tech/linktree-just-banned-tons-of-sex-workers-overnight/amp?fbclid=IwAR1c-OxMKXrGDyALs85PfTWxYPhRWAvxkuZNs2nWeGvYUXaApSTllht9Y2c

Es geht um einen neuen Fall von Online Zensur von Sexarbeit, die seit Jahren um sich greift. Ich kann garnicht soviel fressen, wie ich kotzen möcht.

Ich hatte ein Gespräch mit Linktree, warum sie die Konten von SexarbeiterInnen gesperrt haben und auch mein Konto, das wichtige Ressourcen zur Unterstützung von SexarbeiterInnen bot. Aber Linktree beharrt auf seinem Verbot.

Es ist schon lange so, dass sämtliche Medien, die mit Prostitution in Zusammenhang stehen, geflaggt werden. Auch das Kaufmich Magazin mit wichtigen Ressourcen, das ich über 10 Jahre aufgebaut habe, konnte ich in den sozialen Medien nicht teilen (ausser Twitter) und wurde wegen des Markennamens „Kaufmich“ auch von sog Unterstützern, Verbündeten der Hurenbewegung und Prostituierten selbst auf Twitter nicht geteilt. Sicher ist der Markenname für „gebildete“ *hüstel Geister nicht zeitgemäss, die Community mit 2,7 Mio Nutzern selbst hatte kein Problem damit, hauptsächlich Akademiker.

Dies ist meine Reaktion und mein letzter Brief an das in Australien und den USA ansässige Unternehmen Linktree:

Sehr geehrte Bla Bla,

in meinem Land ist Sexarbeit ein legaler Beruf und ich werbe nicht für Dienstleistungen für Erwachsene, sondern sammle Links zu lebensrettenden Maßnahmen für SexarbeiterInnen. Ich betreibe online Öffentlichkeitsarbeit und politische Analysen, ähnlich wie Scarlet Alliance in Australien und SWOP Projects in den USA. Ich habe ein Buch darüber geschrieben, wie man den Sexhandel durch die notwendige digitale Sicherheit und die Umgestaltung von Dating-Plattformen zu einem Großteil stoppen kann.

Prostitution findet weltweit unter riskanten rechtlosen Bedingungen statt, weil meist arme und ungebildete Menschen nach Wegen suchen, um zu überleben und ihre Familien zu ernähren, auch in Ländern, in denen Prostitution verboten ist. Deshalb vermittle ich Wissen und Lösungen, wie man sicher und gesund arbeiten kann und wie man selbstorganisierte Strukturen aufbaut, um unabhängig von Dritten, Ausbeutung, Zuhältern und Menschenhändlern zu werden und sicher zu arbeiten.

Ich habe an Ihre Unternehmensphilosophie geglaubt, und es fällt mir jetzt sehr schwer zu verstehen, warum Sie Menschen am Rande der Gesellschaft, die am stärksten ausgegrenzte Gruppe der Welt, diskriminieren, indem Sie dem Druck von in den USA ansässigen Zahlungsanbietern und Investoren nachgeben. Ich werde diesen Prozess öffentlich machen, wie Unternehmen im Silicon Valley SexarbeiterInnen verbieten und sie daran hindern, sich selbst zu ihrem eigenen Schutz zu organisieren und Ressourcen zu teilen. Diese Verbote haben zur Folge, dass die Menschen in die Isolation getrieben werden und sich noch mehr in Gefahr begeben.

Sexarbeit/Prostitution ist meist ein Ausdruck von Armut und Geldnot. Armut und Sexarbeit werden nicht durch Zensur und Kriminalisierung verschwinden.

Wenn man aus „höheren moralischen Gründen“ der in den USA ansässigen Investoren und Zahlungsanbieter Online Zensur im großen Stil zulässt, macht man das Leben der Menschen unsicherer und gefährlicher.

Ihre Strategien tragen dazu bei, Menschenleben in Gefahr zu bringen. Bitte sehen Sie sich das Gesamtbild an und überdenken Sie Ihre Entscheidung.

Mit unfreundlichen Grüßen


Dauerkrise

Meine Wohnung hat sich in ein Jumble Sale, einen Trödelmarkt verwandelt, mit Kitsch, Nippes, Design, Kunst, kuscheligen bunten Teppichen und einer Hausbar. Leider können wir seit 2 Jahren keine Gäste, Bekannte empfangen treffen, da wir kein gesundheitliches Risiko eingehen wollen. Außerdem ist uns nicht nach Party zumute während einer Pandemie, wo viele Menschen leiden und sterben müssen. Wir haben weder Garten noch Balkon und arbeiten wie die Verrückten. Und lassen uns alles liefern, sodaß wir überhaupt nicht mehr aus dem Haus müssen. Die Corona Pandemie soll bis 2025 dauern sagen Pandemie Forscher. Das bedeutet, wir befinden uns dann über Jahre im Krisenmodus. Wir bemerken, daß es etwas mit unserer Psyche macht, wo wir auf Kontakte verzichten. Zum Glück verstehen Heinz und ich uns gut und inspirieren uns gegenseitig und teilen die gleichen Interessen. Unter dieser psychischen Belastung der Dauerkrise ist es nicht einfach, den Alltag zu bewältigen. Ich kenne einige Selbständige und Familien, die haben es noch schwerer als ich, weil sie als Selbständige wirtschaftlich gefährdet sind und weil kleine Kinder viel von einem abverlangen. Ich hoffe, dass wir alle ohne großen Schaden durch diese schwierige Zeit kommen und hoffe, daß Maskenverweigerern, sog. „Spaziergängern“ und Impfgegnern, die gegen die Corona Diktatur der Bundesregierung zu Felde ziehen keine mediale Reichweite mehr geschenkt wird. Ich hab alle Kontakte, auch virtuell, zu Impfgegnern eingestellt, Freundschaften sind daran zerbrochen. Freundinnen sterben gerade, meine Eltern sind sehr krank, andere Bekannte wandern aus. In einer Kultur wie in Deutschland ist man sehr schnell einsam. Ich denke an die vielen Frauen und Kinder, die jetzt durch Isolation und Gewalt betroffen sind, und aufgrund des Wohnungsmangels keine Bleibe finden, wenn sie durch Beziehungsgewalt betroffen und die Frauenhäuser überfüllt sind. Ich denke an Prostituierte, die umgeimpft sind, uninformiert und unregistriert, d.h. illegal und ohne Schutz Kunden empfangen, um zu überleben und ihre Familien im Ausland finanzieren müssen. Andere müssen trotz Corona weiterarbeiten, obwohl sie Angst haben, sich zu infizieren. Es gibt auch Suizide von Sexarbeiterinnen während Corona zu beklagen. Und alles, weil sie ohne Wohnsitz keinen Zugang zu Grundsicherung in Deutschland haben. Corona ist schlimmer als Knast.

Edited in Prisma app with Grapevine

Politiker: Augen auf!

Nach seriöser Zählung von Werbeanzeigen, die ich als Sozialwissenschaftlerin vor Corona im zweiten Halbjahr 2019 auf den 10 größten deutschen bundesweiten und regionalen Werbeportalen durchgeführt habe, sind nicht 400.000-700.000 aktive Sexarbeitende in Deutschland tätig, sondern ca. 60.000 (Doppelprofile rausgerechnet, also viele machen gleichzeitig auf mehreren Plattformen Werbung und dürfen nicht doppelt gezählt werden, wobei es schwierig ist verschiedene Profile einer Sexarbeiterin zu identifizieren, die in unterschiedlichen Rollen unterwegs ist – Escort und Domina u.ä.), wobei damals 2/3 also 40.400 registriert waren. Dona Carmen hat mit einer anderen Methode 90.000 Sexarbeitende in Deutschland errechnet. Die Registrierungen haben sich durch Corona auf etwa 20.000 halbiert. Die Dunkelziffer ist nicht so hoch, da auch die meisten Migrant:innen in den einschlägigen Werbeportalen Werbung schalten und dadurch transparent und zählbar sind, was ich vor 2 Jahren für mein Buch Sexwork 3.0 getan habe.

Es gibt noch eine Dunkelziffer besonders bei der mann-männlichen Prostitution sowie teils Minderjährigen Prostitution gegen Taschengeld, die auf Dating Plattformen Kontakte suchen, die öffentlich nicht direkt mit Prostitution in Verbindung stehen. Da für Stricher und (minderjährige) Taschengeld-Prostitutierte vom Selbstverständnis der jungen Leute nicht wirklich als Beruf Sexarbeit gilt, gibt es ohne Professionalisierung und Zugang zu sicheren Strukturen viele Verletzungen zu beklagen und natürlich wird es auch nicht registriert, angemeldet bzw. kann es bei Minderjährigen auch garnicht und Straftaten nicht angezeigt. Das bedeutet zusammengefasst, daß es für eine Berufsgruppe von etwa 60.000 Sexarbeitenden kein ProstSchG braucht, auch nicht zum Schutz von etwa 400 bekannten Fällen von Zwangsprostitution im Jahr (hier gibt es seit 2016 ja ein eigenes Gesetz gegen Zwangsprostitution) vs der Behauptung von Prostitutionsgegnern, daß der Anteil von Zwangsprostituierten bei 95% liegt, auf der Grundlage von 400.000-700.000. Man muß Nutzer von Plattformen verifizieren, um Minderjährige auszuschließen bzw. die liberalen, weil kostenfreien Zugänge für Kriminelle und Fakes auf Dating Plattformen und Anzeigenportalen zu unterbinden. Das ist der einzig effektive Weg, Nachfrage und Angebot von Zwangsprostituierten und Minderjährigen-Prostitution sinken zu lassen. Und dies ist ja der Grund für das ProstSchG. Und bitte nicht wieder auf mich einschlagen, wenn ich im Zusammenhang mit Minderjährigen den Begriff Prostitution verwende. Sex gegen Geld ist für mich persönlich Prostitution, egal ob Sugardating, Taschengeldsex oder professionelle Sexarbeit, Escort unabhängiger Dienstleister. Es gibt einen zunehmenden Trend zu Amateuren, die ohne Wissen und Schutzmaßnahmen arbeiten.

Es ist ganz klar, dass sich die damalige Regierung damals bei den Gesetzentwürfen und Beratungen zum Prostituiertenschutzgesetz hauptsächlich von Sozialarbeiterinnen und Prostitutionsgegnerinnen hat beraten lassen, die mit falschen Zahlen operieren, da hohe Zahlen mehr Eindruck in der Presse schinden und politischen Handlungsdruck auslösen, da man sie in der Öffentlichkeit skandalisieren kann und womit Spendenorganisationen der Prostitutionsgegner leichter Spenden eintreiben können. Wo Opfer drauf steht und mit dramatischen Zahlen operiert wird, fließen enorme Geldsummen und das wissen auch jene, die mit erfundenen Opferbiografien Anerkennung, Rechte und Geld einsammeln. Statt eine Politik der Resilienz – gegen Armut, Bildungsferne und damit gegen Vulnerabilität und Ausbeutung – zu schaffen und mit entsprechenden Ressourcen umzusetzen, werden Sexarbeiter in aller Welt im Namen der Missionierung und Rettungsindustrie in Zwangsumschulungen gezwungen oder erhalten nur unter der Bedingung Unterstützung, wenn sie die Prostitution verlassen. Weder erlauben die Ausstiegshilfen in Frankreich mit Sexkaufverbot den Aufbau einer eigenständigen Existenz, noch generieren Niedriglöhne in der Textilindustrie Asiens, in die zwangsumgeschult wurde, das Auskommen für eine große Familie, weshalb viele Prostituierte wieder einsteigen. Denn nur hier können viele Ungelernte und Analphabeten ein ausreichendes Einkommen erzielen. Auch arme und ungebildete Menschen sind oft intelligent und handeln nach einem rationalen Kosten/Nutzen Kalkül.

Niemals hätte die Regierung ein Prostituiertenschutzgesetz beschlossen auf der Grundlage von Fakten und realen Zahlen, dazu sind die Zahlen in der Realität insgesamt zu klein. Im Prinzip hat sich die alte Regierung von hysterischen und verblendeten, irrationalen und irregeleiteten Prostitutionsgegnern verarschen lassen.

Ich hab viele Jahre recherchiert zum Thema Zwangsprostitution und auch zu den in der Öffentlichkeit kursierenden Zahlen. Zur Erinnerung: 400.000 war die Schätzung einer angetrunkenen Sozialarbeiterin einer Berliner Beratungsstelle Ende der 80er Jahre in einem informellen Gespräch mit einem Journalisten. 700.000-900.000 sind Zahlen von Prostitutionsgegnern wie Alice Schwarzer, die ein Bundesverdienstkreuz erhalten hat und der man somit Glauben schenkt.

Besorgniserregend sind vor allem die zunehmend nicht professionell arbeitenden Amateure, die in ihrem Selbstverständnis keine Sexarbeiter bzw. Prostituierte sind; gefährdet, weil sie sich bei der Suche nach dem schnellen Geld, uninformiert in Gefahr und Leichtsinn begeben und deshalb vulnerabel sind. Jetzt während der Corona Pandemie seit 2 Jahren läßt sich ja beobachten, daß nach den Bordellschließungen viele Sexworker, die Mehrzahl Migrantinnen, nicht mehr in die Bordelle zurück gekehrt sind, da sie mehr Geld verdienen, wenn sie in Privatwohnungen oder in billigen Hotels auf eigene Tasche arbeiten. Die sog. Armutsprostituierten sind keineswegs naiv und dumm, sondern handeln nach einem Kosten/Nutzen Kalkül. Allerdings arbeiten viele auch ohne Registrierung und damit illegal und sind dem Zugang zu Hilfsangeboten von Beratungsstellen entzogen. Genauso wie der Aufklärung zu einer Impfung. Es haben sich neue anarchische Strukturen im Markt entwickelt, der zunehmend von Migranten organisiert wird, schließlich gibt es 80% migrantische Sexworker in Deutschland und Europa (auch bei den Engeln gibt es eine strukturelle Veränderung, was die nachrückende Generation betrifft; die deutschen Betreiber und Betreiberinnen werden in Zukunft wahrscheinlich Geschichte sein, wenn die meisten Sexworker nicht in die Bordelle zurückkehren setzt ein Bordellsterben ein bzw werden Strukturen geschlossen oder verkauft. Dieser Generationenwechsel wird für die Zukunft entscheidend sein und ob Prostitution mit einem kriminellen Umfeld weiterhin in Verbindung gebracht werden kann oder nicht. Corona wird wahrscheinlich bis 2025 ein Thema sein sagen Wissenschaftler. Bis dahin hat sich die Struktur der Prostitution in Deutschland stark verändert und die Frage ist, wer sie kontrolliert, wer die Mehrheit der Frauen kontrolliert oder ob es Möglichkeiten für sie gibt, sich zu professionalisieren und möglichst ohne Abhängigkeiten zu arbeiten und selbst organisierte Strukturen aufzubauen. Idealerweise unter entkriminalisierten Bedingungen wie in Neuseeland.

Hier erläutere ich kurz einige meiner Forschungsergebnisse.