Über Kinderwunsch und die Auslöschung der Menschheit

Ich kann mich noch erinnern, wo mich die Duisburger Grünen als „Alibifrau“ aufstellen wollten, weil sie zuwenig Personal hatten. Hätte ich das mal gemacht und eine Friday for future Bewegung schon Ende der 80er Jahre gegründet …. mir tun unsere Kinder leid. Jahrzehntelanges egoistisches Verprassen der Ressourcen und rücksichtsloser Konsum ist ein Verstoß gegen die Schöpfung und die Natur rächt sich jetzt. Ich persönlich muss mir keine Vorwürfe machen, da ich konsequent nach meinen Überzeugungen gelebt habe und mich auch deshalb nicht fortgepflanzt habe. Soll ich meinen Kindern einen runter gewirtschafteten , ausgeplünderten Planeten hinterlassen? Ich hab mich bewußt dagegen entschieden. Sicher hätte ich unter anderen Umständen gerne Kinder mit meinem Mann gehabt, aber so nicht. Es gibt jetzt erstmalig Frauen ohne Kinder und Kinderwunsch, die sich organisieren. Denen hab ich mich angeschlossen. Childfree and Loving it! https://wearechildfree.com/links Der Kapitalismus ist eine Technologie, die rund um die Gier und Egoismus des Menschen herum aufgebaut wurde. Wenn ich heute Leuten erzähle, dass man auch mit ethischem Handeln Geld verdienen kann, glauben die mir kein Wort. Ich weiß, daß ethisches Handeln das Geschäftsmodell der Zukunft sein wird und der Kapitalismus menschlich eingehegt werden kann. Insofern bin ich trotzdem optimistisch, dass schlaue Leute Entwicklungen und Innovationen in kürzester Zeit umsetzen, um unsere Existenzbedingungen auf der Erde zu schützen. Letztlich geht es nur im globalen Maßstab, was die Sache äußerst schwierig macht. Selbst wenn einige Industriestaaten in Sachen Klimaneutralität voran gehen, sind da noch die vielen anderen, die keine Alternativen zu industrieller Landwirtschaft sehen und nicht über die finanziellen Ressourcen und Know How verfügen, ihre Industrien zu reformieren.Von allen Staaten sehe ich China noch als ernst zu nehmenden Gesprächspartner. China war der erste und einzige Staat, der das Problem der Armut erfolgreich angegangen ist. Ähnlich beim Klima. Bei den anderen Ländern seh ich schwarz. Uups darf man das noch sagen, schwarz? Mittlerweile steht ja alles unter Rassismus-Verdacht, eine Manie, die behandelt gehört. Hysterien haben die Menschheit noch nie voran gebracht, dies erreicht auch keine Sprachpolizei. Handeln bestimmt Bewusstsein, Konvention und Sprache, nicht umgekehrt. Aber das haben diese Deppen noch nicht verstanden.


Fehler im System

Im Nachhinein betrachte ich meine irrlichternde Karriere im Rotlicht Biz als Fehler und Unglücksfall in meinem Lebenslauf, weil ich Zeit, Geld und Verstand über 15 Jahre verplempert habe. Ich hätte 1998 einfach meine Doktorarbeit in den USA oder in Deutschland nach vier Jahren Arbeit beenden sollen; eine Assistentenstelle in Göttingen wurde mir bereits angeboten, ein Promotionsstipendium in US ebenfalls. Aber ich habe aufgrund meines Ekels gegen Apartheid, Kapitalismus einen anderen Weg gewählt, der weitaus kapitalistischer war: die Prostitution. Dort wo Körper, Integrität und Geld getauscht werden, ist die Gier nach Geld einfach grenzenlos. Ein Kuß 20 Euro Extra. Ich bin keine Prostitutionsgegnerin geworden, aber eine Prostitutionskritikerin, wie mein Buch eindeutig beweist. Mein IQ ist im Bordell von 136 auf 94 abgerutscht, da wußte ich, das etwas schiefläuft, aber ich fand keinen Weg mehr aus dem Labyrinth hinaus. Es hat jetzt 20 Jahre gedauert, bis ich nach meiner Achterbahnfahrt von ganz unten nach ganz oben endlich wieder einen Job habe, wo ich fürs Denken bezahlt werde und nicht fürs Arbeiten stupider wiederkehrender Aufgaben. Das hat mich depressiv und stumm werden lassen. Wenn man einmal zum Wildpferd ausgebildet wurde und zum Wohlergehen der Menschheit eine intellektuelle Umgebung braucht, ist der soziale Abstieg besonders hart. Genauso wie ich weiterhin darunter leide, daß ich auf dem Höhepunkt meiner Berliner Gentrifizierungskarriere meinen Wohnsitz an der Museumsinsel in Berlin aus persönlichen Gründen aufgeben mußte, um meinen privaten Frieden zu finden. Und das soll auch so bleiben. Ich werde niemals mehr eine Wohnung in der Berliner Mitte finden und muss mich damit abfinden, daß mein aktueller Wohnsitz, neo-klassizistische Wohnmaschinen der sozialistischen Moderne bald Weltkulturerbe wird. Ich habe in meinem Leben über viele Jahre vieles aufgebaut, um es zu verlieren. Nur eins hab ich als 50 Jährige gelernt: verschwende niemals Zeit, Geld und Energie mit Arschlöchern und Dumpfbacken und da bin ich jetzt radikal, meine Ansprüche durchzusetzen. Ich bin jetzt total rücksichtslos, weil meine Gutmütigkeit und Rücksichtnahme nur ausgenutzt wurden und mich keinen Schritt nach vorne gebracht hat. Mir ist es lieber in einem kapitalistischen Unternehmen innovativ mitzumischen, als mir weiterhin ideologische Scheisse, Geschichten von Krankheit, Ausbeutung und Niedertracht anzuhören. Ich war immer eine Linke, aber unter den aktuellen Bedingungen nicht und ich wechsele die Seiten, ohne Ausbeuterin und Bordellbetreiberin zu werden. Ich hatte mehrere Angebote, aber habe alles ausgeschlagen, da ich nicht an Sexarbeiter:innen profitieren möchte, die teilweise ums Überleben kämpfen. Mich ekelt das alles einfach nur noch an und ich habe einen Schlussstrich unter meine Vergangenheit gezogen und schau kämpferisch nach vorne, wo ich von wohlwollenden und wertschätzenden Menschen umgeben sein werde. Euer Primitivismus, Egoismus und Dummheit kotzt mich an!


Der Autor bleibt anonym

Mir wurden Texte aus dem Milieu zugespielt, deren Autoren anonym bleiben möchten. Zwei Zitate möchte ich mit euch teilen.

„Nahezu alle diejenigen Personen, die sich im gewerblichen Sinne im Rotlichtbereich aufhalten, damit meine ich Betreiber/Betreiberinnen von Bordellen, Club- und Barbetreiber mit meist erotischem Charakter und natürlich die vielen Prostituierten, sind in weiten Teilen durch bestimmte Charaktereigenschaften und „Sozialverhalten“ (oft genug verhaltensauffällig) gekennzeichnet.


Dazu gehören:
Atemberaubende Schlichtheit, teils Primitivität, reaktionäre, auch autoritäre Lebenseinstellung, Spießigkeit, intellektuelle Anspruchslosigkeit, opportune Bauernschläue, Skrupellosigkeit, Rücksichtslosigkeit, morbide Strukturen, auch mit Tricks und Betrug eigene Interessen verfolgend, eiskalter raubtierhafter, machiavellistischer Kapitalismus, Rücksichtslosigkeit, purer Egoismus und all das ist mit eher instinktbehafteten, reflexartigen Handlungsabläufen gekennzeichnet. Das Gegenteil davon findet nicht statt. Nein – nicht pauschal und generell, aber trotzdem ist es szenetypisch. Solche Merkmale durchdringen das Rotlichtgewerbe und auf diese Weise ist es auch zu verstehen.“

„Und dieses Rotlichtambiente besteht aus Bordellen verschiedener Art (Laufhäuser, Clubs, privaten Wohnungen, Straßenstrich sowie Teile des Escorts gehören dazu), deren Betreiber und Betreiberinnen sowie den mehr oder weniger „integeren“
Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen,
Table-Dance/Strip-Shows,

Bars mit mehr oder weniger Animationsgeschachere (Abzockerei), billige, rustikale Kneipen und Kaschemmen,
und am Ende der „Hierarchieebene“ erkennt man die tausende Freier, die täglich in
all diese Etablissements strömen und den enthemmten, puren Sex suchen. Für einen solchen Sex, so stellen sie sich das vor, wollen sie nicht allzu viel Geld zahlen.


JA – diese Freier mögen zwar das ganze Geld in die Bordelle schleppen, worin sie sich samt Besuch in diversen Rotlicht-Bars und Clubs vergnügen. Folglich generiert sich daraus der
Jahresumsatz in Milliarden €.
Trotzdem sind sie Gestalten mit dem geringsten Ansehen – nämlich gar keinem. Zumindest nicht aus Sicht von Betreibern „alter Schule“.


Future Affairs

Ich kümmere mich als Head of Future Affairs jetzt um die Zukunft. Sobald die Reisebeschränkungen fallen, bin ich weg. Ich habe sehr lange nachgedacht. Als erstes fliege ich in die Staaten, Los Angeles und Shanghai aus beruflichen Gründen.

Man sieht an mir, dass es immer wieder schön ist, wenn man sich wie Münchhausens Zopf aus dem Sumpf ziehen kann.


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In der Hitze der Nacht

habe ich 2009 einen Roman in 6 Interviews geschrieben: Nuttenrepublik. So fing dieser Blog an. Und zur Einstimmung auf einen schönen Sommer veröffentliche ich ihn an dieser Stelle. Wer ihn noch nicht kennt, viel Vergnügen.

Nach meinem Blog wurden zwei Theaterstücke benannt. Wer schreibt, der bleibt.

1. Mein Leben als Escort
2. Mein Leben als Preisträgerin
3. Mein Leben als Politikerin
4. Mein Leben als Frau
5. Mein Leben als Hure
6. Mein Leben als Ehefrau

Opening https://nuttenrepublik.com/2010/01/15/nuttenrepublik/

Prolog https://nuttenrepublik.com/2010/01/18/nuttenrepublik-prolog/

Gliederung https://nuttenrepublik.com/2010/01/18/nr-gliederung/

Kap 1 https://nuttenrepublik.com/…/18/nuttenrepublik-chapter-1/

Kap 2 https://nuttenrepublik.com/…/19/nuttenrepublik-chapter-ii/

Kap 3 https://nuttenrepublik.com/…/nuttenrepublik-chapter-iii/

Kap 4 https://nuttenrepublik.com/…/06/nuttenrepublik-chapter-iv/

Kap 5 https://nuttenrepublik.com/…/07/nuttenrepublik-chapter-v/

Kap 6 https://nuttenrepublik.com/…/08/nuttenrepublik-chapter-vi/


Hamburg

Ich werde in Zukunft öfter in Hamburg sein, da die Luft gut für meine Lungen ist und gegen mein Asthma hilft. Außerdem kenne ich einige coole Leute in Hamburg, meist Menschen, die ich als Aktivistin kennengelernt habe. Es sind so zauberhafte Menschen dabei. Natürlich wissen die nicht, welchen Eindruck sie auf mich gemacht haben und das sie ein Grund sind, warum ich jetzt öfter in Hamburg sein werde.

Ich werde natürlich als erstes die Reeperbahn ansteuern und die Lage checken. Das mache ich seit meinem 17/18 Lebensjahr, dass ich in Städten als erstes die Rotlichtbezirke aufsuche. Eine seltsame Eigenschaft. Ich gehöre zu denen, die sich in diesem Milieu immer ganz wohl gefühlt haben. Auch kenne ich viele Betreiber, die einen guten Job machen. Wie dem auch sei, ich bin raus aus dem Thema und ist mit meinem Buch besiegelt, aber Menschen, die ich in den letzten 15-20 Jahren kennengelernt habe sind weiterhin Bekannte und Freunde.


Kairos

Wer der altgriechischen Sprache nicht mächtig ist, wird nie verstanden haben, was der Name meines Blogs bedeutet. Kairos. Der Begriff stammt aus der Antike der alten Griechen und bedeutet soviel wie Chance, versinnbildlicht durch einen Sonnenstrahl, der zwischen den Wolken hervorblitzt. Chancen für Veränderung gibt es im Leben weniger als man glaubt. Bei mir passiert das etwa alle 10 Jahre, dass sich ein neuer Lebensabschnitt auftut. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich aus dem Thema Sexarbeit und Prostitution quasi raus bin. Das Buch war der Abschluss und ich kümmere mich beruflich nun um Fragen der Zukunft. Wozu eine philosophische Ausbildung u.a. doch alles so taugt. Ich habe ja auch ein Handwerk gelernt, das Druckhandwerk, insofern hat mich das Thema Buchdruck, Politik und Werbung immer schon interessiert und war auch immer damit irgendwie verbunden.

Für mich beginnt bald ein neuer (beruflicher) Lebensabschnitt mit tollen Herausforderungen. Ich bin schon sehr gespannt. Entweder bau ich die Zukunft-Abteilung für ein Digitalunternehmen auf oder ich werde Digital Producer. Das entscheide ich in 2 Wochen. Mein Adrenalin kocht. Interessant ist, dass der neue Arbeitsplatz ausgerechnet ein Steinwurf weit von meinem ersten Bordell im Wedding entfernt liegt, wo meine großartige Rotlichtkarriere begann. Haha Interessant ist auch, dass meine Eigenschaften, die man bisher nicht an mir leiden konnte, in dem neuen Job Voraussetzung sind, also Akribie, Genauigkeit, Hartnäckigkeit und anderen Leuten auf den Nerv gehen.

Wenn ich die Zukunft-Abteilung aufbaue, dann für die Unternehmensgruppe, zu der auch Kaufmich gehört. Aber ich bin nun komplett aus dem Thema Sexarbeit und Prostitution raus. Als Aktivistin und beruflich. Fühlt sich seltsam an. Die Huren waren meine Familie. Mir hat mein politischer Aktivismus letztlich niemals geschadet, sondern war die Eintrittskarte in interessante Jobs und Projekte. Klar wurde ich auch schon bei Bewerbungen diskriminiert, aber dann wegen meinem Alter. Bin ja jetzt Tante. Es gab Tote in der Corona Krise, Suizide von verzweifelten Sexarbeiter:innen, von denen viele in existentieller Not waren & sind. In dieser Zeit hab ich im Homeoffice ohne Freunde gehockt, hab die Toten verdrängt, den Nothilfefonds des Besd initiiert, ein Buch geschrieben, mich verändert. So oder so betrete ich gerade Neuland, das in die Zukunft weist. Da ich ein Explorer und Abenteurer bin, ist das eine Chance, auf die ich lange hin gearbeitet habe.

Letzte Woche gab es eine Panel Discussion mit Bundestagsabgeordneten u.a. zum Sexkaufverbot, wo ich mitmischen durfte. Das ist auch mein letztes öffentliches Statement zu diesem Thema.


Der Hund mit 5 Beinen

2012 hab ich hier in meinem Blog nach meinen Reisen in die USA, Frankreich und Großbritannien auch von meiner Reise nach Indien berichtet. Als politische Aktivistin hatte ich mich um ein Stipendium zur Teilnahme an der alternativen Welt-Aids-Konferenz in Kolkata/Kalkutta erfolgreich beworben und bin täglich zwischen meinem 5 Sterne Hotel – das Hyatt Kolkata – und dem Tagungsort hin und her gelaufen. Der Weg führte durch die Slums, die nicht an die Ab-/Wasserversorgung angeschlossen waren, weshalb man auch vor die Tür der Wellblech-Baracken schiffte bzw. kackte. Da die Slums nicht nur in Kolkata recht gross sind, hing eine nach Scheiße duftende Wolke über der Stadt. Manchmal saßen wir nachts in der Präsidentensuite im Grand Hyatt auf der Terrasse zusammen und bemalten Plakate, die wir bei der großen Demo mit 5000 Teilnehmer:innen durch den größten Rotlichtbezirk Südostasiens vor uns her trugen. Die Luftfeuchtigkeit war ausgesprochen hoch und dazu dieser seltsame Geruch, der über der Stadt hing, und der mich umfing wie eine Glasglocke in einem Scheißekanal.

Bei meinen Wegen durch die Slums begegnete mir ein Hund mit 5 Beinen und Frauen mit durch Salzsäure zersetzten Gesicht. Weder wurden dort Tiere oder Menschen mit Behinderungen, die von der Norm abwichen, in Tierasyle oder Altersheime out gesourct, vor die Tore der Stadt abgeschoben, sondern man lebte zusammen in einer Community, wo man gemeinsam ums Überleben kämpfte. So ist das auch im Rotlichtbezirk Sonagachi, wo Generationen von Sexarbeiter:innen mit ihren Kindern und Familien leben und arbeiten und ihre Kunden empfangen.

Die westliche Prostitution unterscheidet sich extrem vom globalen Süden und um die Unterschiede kennen zu lernen bin ich dort hin gereist. Viele Menschen, die in der Hurenbewegung aktiv sind, sind außergewöhnlich. Ich lernte den großartigen belgischen Fotografen Marc de Clercq kennen, der die indische Hurenbewegung und ihre Protagonisten schon lange fotografisch begleitet. Dazu zählt vor allem die prominente und allseits geliebte transgender Queen Laxmi Narayan Tripathi, die viele aus dem Fernsehen kennen. Sie ist auch eine der prominentesten Aktivist:innen weit und breit und hat eine große Fangemeinde.

Ich teilte mir mein Doppelzimmer mit einer Sexarbeiterin und Aktivistin aus Afrika, aus einem Land, wo bei Prostitution die Todesstrafe droht. Könnt Ihr Euch das vorstellen? Es gibt so unglaubliche Menschen auf diesem Planeten, die sich engagieren, obwohl die schlimmsten Strafen drohen. Selbst in China gibt es Aktivist:innen, die sich für Prostituierte engagieren, was wirklich nicht einfach ist.

Jedenfalls bin ich auch ein Hund mit 5 Beinen. Ich bin eine Differenz und hebe mich von der grauen Leberwurst, die uns umgibt, erheblich ab. Damit meine ich eine Monokultur, wo die lautesten Arschlöcher im Regelfall Karriere machen.

Ich traf in Kolkata Andrew Hunter, den ich liebte und bewunderte und der im Winter 2013 zu jung verstorben ist. Es gibt keinen Ersatz. Er war damals Präsident vom globalen Dachverband aller Sexarbeiter:innen NSWP und hieß mich zusammen mit seinem thailändischen Mann Dale in der Präsidentensuite willkommen. Ich denke fast täglich an ihn, weil er mich schwer beeindruckt hat: er hatte immer ein Ohr für einzelne Mitglieder, auch für mich, und engagierte sich als hiv positiver Mann besonders für die vielen hiv positiven Sexarbeiter:innen in aller Welt. Er liebte Sex, Drogen, Ekstase und hatte dabei einen luziden Verstand. Ich vermisse ihn so sehr.

Dadurch, dass ich als Escort hauptsächlich im Ausland gearbeitet habe, sind dort auch meine Freunde und Bekannten. Es ist schwer als Sexarbeiterin Freundschaften außerhalb der eigenen Szene zu schließen. In der deutschen Hurenbewegung hab ich keine Freunde gefunden, nur Bekannte, weil ich einen anderen Stallgeruch habe und die Kämpfe international begleitet habe. Es ist manchmal bedauerlich, wenn man im eigenen Land keine Freunde hat. Umso mehr denke ich an meine Wegbegleiter im Ausland, in Indien, China, Frankreich, Afrika, USA und Großbritannien. Menschen, die ich nach der Corona Krise besuchen werde. Mir ist kein Weg zu weit.


meine Buchvorstellung Sexwork 3.0